Rumänien

Rumänien bis Serbien Donaukreuzfahrt

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Kaffee, Kuchen und Walzer

An Bord, es ist nachmittags, wird getanzt, zu Kaffee und Kuchen und schweren Walzerklängen. Später, zum ersten Abendessen unter voller Schubkraft, steht Kapitän Sergej Aldoschkin auf dem Teppich. Stramm, in piekfeiner Uniform, lächelnd. Kapitänsdinner auf der Donau, das ist kein einfacher Job. Der geduldige Aldoschkin schüttelt 150 Hände und nimmt als Letzter Platz. Dann beugt er sich über das Menü. Forelle an Weißweinsauce, vier weitere Gänge plus die übliche Eis-Sahne-Bombe.

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Sonne am nächsten Morgen. An Deck wird es trotz herbstlicher Luft warm, viele Gäste sitzen in Decken gehüllt in den Liegestühlen, lesen, dösen, schauen, plaudern. Nach dem Mittagessen taucht die Freundschaftsbrücke zwischen dem rumänischem Giurgiu und dem bulgarischen Russe am Horizont auf, und bald legt die "Wolga" in Russe an. Wie eine alte Operndiva, der die Tränen über das lachende Gesicht laufen, wirkt diese herrlich halbmarode Balkanstadt. Die Busse stehen schon bereit, die Passagiere brechen zur Stadtrundfahrt auf oder machen einen Abstecher nach Veliko Tarnovo, im Mittelalter die Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reichs. Erst am nächsten Tag legt die "Wolga" wieder ab, nur um die Donau zu überqueren: In Giurgiu am anderen Ufer beginnt ein Ausflug nach Bukarest. Am späten Mittag startet der Kapitän den Motor erneut, das Schiff fährt durch flache, leere Landschaften, die zum genüsslichen Müßiggang auffordern. Schon ist es wieder Abend, und die Sonne sinkt wie eine glühende Tomate hinter die Weiden am Flussrand. Ganz anders tickt die Zeit auf so einer Fahrt. Die Tage fließen dahin. Um nichts muss sich der Passagier kümmern, er steht still, hält inne, und doch trägt ihn die weiße "Wolga" durchs Weltgeschehen. Die Stunden rennen einem hier nicht davon, sie kommen einem entgegen.

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Autor
Hermann Gfellner