Rumänien

Rumänien bis Serbien Donaukreuzfahrt

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Diese beiden Männer haben das Kommando: der erste und zweite Offizier auf der Brücke. Sie steuern die "MS Wolga" von Rumänien bis nach Serbien.

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Das Donauufer: eine perfekte Huckleberry Finn-Kulisse

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Kaum merkbar legt das Schiff am nächsten Morgen ab. Durch die Bordlautsprecher kommt, noch vor Sonnenaufgang, der Weckruf: "Guten Morgen, 'MS Wolga', guten Morgen, verehrte Gäste." Die Bordsprache ist deutsch, auch in Rumänien. Mit dampfenden Kaffeebechern steht ein Ehepaar am Heck und lässt den Blick schweifen. Nebelschwaden ziehen wie Geister ums Schiff, bevor die Sonne die Welt erst grau, dann blau anmalt. Links und rechts grüne Ufer, von hellem Schilf behangen. Die Häuser Tulceas bleiben zurück, das Schiff steuert in eine stille, wilde Flusswelt. Wie herrlich ist es, von einem Schiff getragen zu werden! Sich der Landwelt zu entziehen, Abstand zu gewinnen. Es ist die Magie einer jeden Flussreise: Das Wasser zwischen Schiff und Ufer ist ein Band der Schweigsamkeit. Die Passagiere werden zu Betrachtern der Welt, die gemächlich vorbeizieht, in fließendem Takt. Ohne Hatz bricht das Schiff zu seiner großen Reise gen Westen auf. Es schwebt durch den Sulina-Arm des Deltas und steuert bei Kilometer 80 in den Hauptarm der Donau ein. Gänse und Kormorane fliegen, über den Wipfeln kreist ein Adler. Problemlos ließen sich hier ohne künstliche Kulisse die "Abenteuer des Huckleberry Finn" verfilmen. Schiefe Hütten stehen am Ufer, Kühe grasen, das Schilf biegt sich meterhoch. Schwärme von Pelikanen flattern über kleine Inseln im Fluss und über den Kopf eines Anglers, der auf seinem Floß durch die Stille treibt.

Bei Kilometer 128 passiert die "Wolga" die kleine Stadt Reni, ein ukrainisches Nest zwischen Charme und Zerfall. Ein rostiger Hafen zieht vorbei, wie Giraffen wirken die großen Kräne, die auf Schienen Kohle, Erze und andere Güter auf die Frachtschiffe verladen. Immer wieder werden sie am Ufer auftauchen und daran erinnern, dass der Sehnsuchtsfluss Donau gleichzeitig eine wirtschaftlich bedeutende Wasserstraße ist. Auch viele Grenzen zieht der Fluss auf unserer Fahrt. Gerade ist das linke Ufer rumänisch, ukrainisch das rechte. Kurz darauf berührt das Wasser einen Zipfel Moldawiens, weiter flussaufwärts trennt es über Hunderte von Kilometern Rumänien von Bulgarien und Serbien.

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Autor
Hermann Gfellner