Rumänien

One Social Europe Blog: Eine Busreise durch zwanzig Länder in sechs Monaten

Sechs Monate lang reisen Vicky und Felix mit ihrem Bus von Irland nach Rumänien, von Finnland nach Portugal - einmal quer durch Europa. In jedem Land besuchen sie soziale Projekte und ehrenamtliche Helfer. Im Interview sprechen die beiden über holprige Straßen, Gastfreundschaft und grenzenlose Reisefreiheit.
Baltimore, Irland, One Social Europe
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MERIAN.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, soziale Projekte in ganz Europa zu besuchen?
Felix:
Die Entscheidung hat ziemlich lange gedauert. "Nur Herumreisen" wollten wir nicht, stattdessen überlegten wir, wie wir dem Ganzen einen Mehrwert verleihen könnten. Deswegen sind wir auf die Idee gekommen, in ganz Europa soziale Projekte zu besuchen. Beziehungsweise Menschen zu besuchen, die sich in Europa sozial engagieren.

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Vicky: Wir sind selber aktiv bei der Katholischen Jugendarbeit in Aachen, unserer Heimatstadt. So kamen wir auf den Gedanken, dass es sicher noch viele andere Menschen gibt, die sich für ihre Gesellschaft einsetzen.

In Ihrem Blog schreiben Sie, dass Sie die "Idee Europa" begeistert. Woher rührt diese Begeisterung?
Vicky:
Das fing schon früh an. Wir sind beide in Grenznähe zu Belgien und den Niederlanden aufgewachsen. Am Dreiländereck sind wir dann im August auch aufgebrochen, das war ein symbolischer Start. Auf unserer Reise haben wir schon oft darüber gesprochen, wie einfach es ist in Europa zu reisen. Es gibt wahnsinnig viele Kulturen auf so engem Raum. Man denkt immer, man müsste total weit wegfahren, um irgendwas Spannendes und Tolles zu sehen. Das stimmt nicht! Das Gute liegt so nah - einfach um die Ecke.

Wie lange im Voraus haben Sie diese Reise geplant und dafür gespart?
Felix:
Wir haben schon ziemlich lange für eine Reise gespart. Die Vorbereitungszeit war hingegen knapp bemessen, ungefähr vier Monate lang. Mitte Februar haben wir uns für einen Start im Juli entschieden, losgefahren sind wir dann aber erst im August.

Wie haben Sie entschieden, welches Projekt besucht wird?
Vicky:
Wir haben von Zuhause aus angefangen, Kontakte aus unserer Jugendarbeit spielen zu lassen. Es gibt fest eingeplante Besuche von bestimmten Projekten, etwa ein Tierschutzprojekt in Polen und das finnische Rote Kreuz in Helsinki. Teilweise fahren wir einfach mit offenen Augen durch die Gegend und kommen zum Beispiel mit Leuten in den Fußgängerzonen ins Gespräch, die Spenden sammeln.

Felix: Wenn man mit offenen Augen durch Europa fährt, findet man jede Menge Projekte und Menschen, die sich für bestimmte Ziele einsetzen.

Gerade sind Sie in Rumänien und besuchen dort das nächste Projekt. Was machen Sie genau?
Vicky:
In dem rumänischen Ort Ghimbav bleiben wir eine ganze Woche. Hier findet ein Baueinsatz von dem deutschen Verein "Europas Kinder Pirna e.V." statt. Handwerker aus ganz Deutschland renovieren ein Kinderheim. Dort wollen wir versuchen, uns tatkräftig einzubringen.

Gibt es bisher ein Projekt, das Sie besonders begeistert hat?
Felix:
Das Donkey Sanctuary, ein Eseltierheim in Irland, auf das wir eher spontan gestoßen sind. Auf einer Fläche von ein paar Hektar leben 130 Esel. Sie haben genauso grausame Geschichten erlebt, wie man es sonst aus dem Tierschutz von Hunden oder Katzen hört. Trotzdem waren sie sehr zutraulich.

Vicky: Unser allererstes Projekt bei einem Jugendverband in Brüssel fand ich toll. Wir sind von unserer Gastgeberin herzlich aufgenommen worden. Sie sagte: 'Nein ihr könnt nicht im Auto schlafen, ihr schlaft in meinem Bett, und ich schlafe auf der Couch!' Diese Gastfreundschaft war umwerfend.

Wie reagieren die Menschen auf Ihr Projekt?

Irland, One Social Europe
www.one-social-europe.com
International unterwegs: Auf ihrer Reise wollen die beiden jungen Aachener mehr als 25 europäische Länder besuchen.

Vicky: Wir wurden überall total gastfreundlich empfangen - von Menschen, die uns noch nie gesehen haben. Viele haben uns in ihr Haus oder ihre Wohnung eingeladen und zeigen uns viel von ihrem Leben. Diese Offenheit und Gastfreundschaft würde ich gerne mit nach Hause nehmen und selbst so handeln.

Felix: Ich finde diese Offenheit der Menschen - das ist etwas ganz Besonderes. Wir sind bisher ganz vielen spannenden Leuten begegnet.

Wie verständigen Sie sich überhaupt?
Felix:
Am Anfang der Reise in England, Irland und Skandinavien sind wir mit Englisch weiter gekommen. Hier in Osteuropa ist es hingegen erstaunlich, wie viel Deutsch tatsächlich gesprochen wird. Aber das meiste läuft auf Englisch - oder sonst eben mit Händen und Füßen.

Sie sind mit einem Camping-Bus unterwegs, was muss man beachten?
Felix: Wir können maximal 85 km/h fahren. Das ist eine Einschränkung, mit der wir uns arrangieren müssen. Wir sind gestern gerade 350 Kilometer gefahren und haben dafür knapp sieben Stunden gebraucht. Ansonsten können wir von Glück sagen, dass uns erst sehr wenig passiert ist. Bei einem alten Auto muss man mit allem rechnen.

Vicky: Der Bus ist gut in Schuss, der Motor ist auch nagelneu. Bislang sind nur Kleinigkeiten kaputt gegangen, die wir am ehesten dem Zustand der Straßen zuschieben. Wen der Auspuff den Geist aufgibt, weil die Straßen seit 600 Kilometern holprig sind, ist das so. Das passiert dann aber auch jedem anderen Auto.

Haben Sie für Ihre Reise einen strikten Zeitplan?
Felix:
Anfangs haben wir versucht, im voraus zu planen - aber schnell festgestellt, dass es überhaupt keinen Sinn macht. Dann nimmt sich die Freiheit, spontant irgendwo zu bleiben, wo man es schön findet. Bei den großen Projekten haben wir ungefähre Anreisetermine mit den Partnern ausgemacht. Allerdings haben wir uns nie auf einen gewissen Tag festgelegt, so können wir flexibel agieren. Europa kann man nicht planen. Morgens steigen wir in den Bulli und fragen uns, was wir  als nächstes machen. Erst dann schauen wir im Internet, in unseren Reiseführern und der Karte nach.

 

Berg der Kreuze, Litauen, One Social Europe
www.one-social-europe.com
In Litauen besuchen Vicky und Felix den "Berg der Kreuze".

Gibt es ein Land, das Sie besonders beeindruckt hat?
Vicky:
Ungarn war super schön. Wir haben vorher nicht viel Reiseliteratur gelesen, wir sind einfach losgefahren und haben uns überraschen lassen. Auch Polen fand ich unglaublich toll – da möchte ich auf jeden Fall noch 50 Mal hinfahren. Ein klassisches Urlaubsland, wäre Irland gewesen. Da wollten wir schon seit acht Jahren immer mal hin, jetzt haben wir es endlich geschafft.

Hier gelangen Sie zum Blog von Vicky und Felix: one-social-europe

Die nachfolgenden Seiten unserer Galerie zeigen Impressionen von Vickys und Felix' Reise mit ihrem grünen Bus. 

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Autor
Mila Krull