Georgien

Weihnachtsgeschäft O Tannenbaum!

Mit Helm und Gurt klettern nur die wenigsten Zapfenpflücker. Die Organisation Fair Trees setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein: für mehr Sicherheit, eine Krankenversicherung und eine bessere Bezahlung.

Ein dichtes Nadelkleid, das lange anhält. Äste, die sich selbst bei schweren Kugeln nicht durchbiegen. Nordmanntannen haben sich als Weihnachtsbaum in deutschen Wohnzimmern schon mehr als bewährt und machen rund 75 Prozent aller verkauften Christbäume aus, so die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Doch um sie zu züchten, braucht es jede Menge keimfähige Samen. Und die wachsen nur auf großen, alten Bäumen. Wie die in den Wäldern der georgischen Provinz Ratscha, nahe der Stadt Ambrolauri. Von hier stammen rund 80 Prozent der Samen aller Nordmanntannen. 

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Rund 200 Samen beherbergt ein Zapfen in seinen kleinen Kammern.
Erntezeit ist im Herbst und dauert drei Wochen. Dann klettern rund 400 Pflücker in die 30 Meter hohen Baumkronen, wo die Zapfen genug Sonne zum Ausreifen bekommen. Die meisten von ihnen hangeln sich ohne Sicherheitsgurt von Tanne zu Tanne, um Zeit zu sparen. Denn abgerechnet wird pro Kilo. 1,2 Lari bekommen sie dafür, etwa 35 Cent.

Ratscha ist eine touristisch noch wenig erschlossene Region, weshalb die Zapfenpflückerernte für die Einheimischen oft die einzige Möglichkeit ist, gutes Geld zu verdienen. Sie arbeiten unter anderem für dänische und deutsche Firmen, die die Löhne möglichst gering halten möchten. In Europa hingegen werden die wertvollen Samen hochpreisig gehandelt. 

Sehenswert in der Region
  • Kathedrale in Nikorzminda, orthodoxer Sakralbau
  • Schaori-Stausee und das Dorf Ambrolauri, hier wachsen die berühmten Nordmanntannen
  • Stadt Oni, hier steht eine der größten Synagogen Georgiens
  • Trekking mit Pferden zum Udsiro Gletschersee
  • Wanderung zu den Gletschern Tbilissa und Buba

Weitere Tipps liefert die Website einer deutschen Reiseagentur.

Für bessere Arbeitsbedingungen setzt sich die 2008 in Dänemark gegründete Organisation Fair Trees ein – wo ein Großteil der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume wächst. „Wir sind eine kleine Organisation, geführt von meinem Mann und mir. Trotzdem haben wir bereits einen großen Einfluss auf unsere Mitbewerber in der Branche“, erklärt Marianne Bols, Gründerin von Fair Trees. Die Organisation wirbt mit deutlich höheren Löhnen (5 Lari) und einer Krankenversicherung, versuche so Druck auf die Konkurrenz auszuüben. Derzeit beschäftigt Fair Trees elf Pflücker. Jeder von ihnen klettert gesichert und mit Helm, erhält Sicherheitseinweisungen. Doch damit ist die Gesundheit aller Wipfelstürmer noch nicht gewährleistet. In Zukunft wolle Fair Trees mit dem Aufbau einer Outdoor-Kletterschule allen Pflückern die Chance bieten, ein Sicherheitstraining zu besuchen, versichert Bols. Die ersten Kurse seien bereits im Sommer des kommenden Jahres 2020 geplant. 

Das ist nur ein Projekt von vielen: Im März 2016 eröffnete die Organisation eine Zahnklinik für Kinder in der Region. Bis heute wurden rund 1000 Behandlungen möglich gemacht. „Unser Ziel ist es nicht nur die Wertschöpfungskette der Weihnachtsbäume so fair wie möglich zu gestalten, darüber hinaus möchten wir den Menschen in Ratscha existenzielle Sicherheit bieten, deren Gesundheit sichern und Arbeitsplätze schaffen“, so Bols.

Ihre Fair-Trade-Weihnachtsbäume gibt es inzwischen deutschlandweit zu kaufen, zu erkennen am Fair Trees Logo, unter anderem in den Toom-Baumärkten. Alle teilnehmenden Märkte finden Sie in einer interaktiven Karte auf der Website.

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