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Zurück in die Welt der Ritter und Burgen Mission Mittelalter

Ob als Landsknechte in Rüstung, als Edelleute von der Burg oder als Wirt in der Hofschenke. MERIAN hat Menschen getroffen, die regelmäßig auf Zeitreise gehen – zurück in die Welt der Ritter und Burgherren
Baieruther Katzbalgerey
     
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Die »Katzbalgerey« auf Burg Rabenstein

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RÜSTIGE HERREN

Hebt auf die Wehr!«, tönt Chris Wagner, der jetzt gerade anders heißt. Als Christian von Laineck trägt er den roten Hauptmann-Hut, dazu Rüstung samt Handschuhen. »Hoo«, rufen die Landsknechte hinter ihm, strecken die Hellebarden in die Höhe. »Reeeeechts um!«, erwidert der Hauptmann. Und schon setzen sich seine Mannen in Bewegung. Das Blech an ihren Körpern scheppert bei jedem Schritt. Dazwischen rasselt ein Kettenhemd.

Die Herren von der »Baieruther Katzbalgerey anno 1475« sind so etwas wie die Profis unter den Mittelalter-Darstellern. Die Bayreuther werden für mittelalterliche Festivals wie auf der Burg Rabenstein in Franken gebucht. Dann schlagen sie dort ihr Lager auf und zeigen ihre Rüstungen, führen Schaukämpfe auf, schießen mit Hakenbüchsen und Kanonen. Und erzählen über das Leben im späten 15. Jahrhundert. »Meist zogen die dritten Söhne von Adeligen in Rüstungen durch die Welt und ließen sich von Dienstherren zum Kämpfen anheuern«, weiß Wagner, der im wahren Leben Architekt ist.

Heute wie damals sind die Rüstungen nicht billig. Die Herren von der »Katzbalgerey« lassen ihr blechernes Outfit maßanfertigen. Es soll originalgetreu sein, exakt so wie in der Zeit um 1475. Das sind ihnen die 3000 bis 5000 Euro, die so eine Rüstung heute kostet, wert. 30 bis 40 Kilo wiege so eine Landsknecht-Montur, »aber Kreuzweh bekommt man davon nicht«, sagt Wagner. »Das ganze Gewicht sitzt auf den Hüften. Deswegen sind Rüstungen tailliert.« Neben ihm steht Gerd der Barde, eigentlich Diplom-Verwaltungswirt namens Gerd Heinz, und grinst: »Wir leiden nach den Mittelalter-Märkten höchstens unter Schlafmangel.«

Leben können sie von ihren Auftritten nicht. »Was wir dabei verdienen, geht gleich in die Vereinskasse«, so Wagner. Das Geld verwenden sie etwa für ihre Zelte, in denen sie während der Festivals kampieren, denn auch die sollen den historischen Originalen möglichst nah kommen. Welcher Landsknecht mit maßgeschneiderter Rüstung schläft schon gern in einem Zelt aus Plastik.

Angefangen hat 1997 alles aus einer »Bierlaune« heraus. »Unser Verein ist aus der Karate-Abteilung der Bayreuther Turnerschaft hervorgegangen«, erklärt Pedro de Alvarez, alias Peter Sperner und normalerweise technischer Fachwirt. Die Männer treffen sich seitdem einmal die Woche zum Trainieren der historischen Kampfkünste. Meist sind ihre Familien mit auf den Märkten. »Man entschleunigt ziemlich dabei«, schwärmt Heinz. »Kein Handy, keine Uhr, man hackt Holz, kocht am Feuer und feiert zusammen.« Ob sie gern in der Zeit gelebt hätten? »Nein!«, sagt Wagner entschieden. »Es macht riesig Spaß, aber nach den Märkten bin ich immer wieder froh, wenn ich aus der Rüstung steigen kann und daheim meinen Kühlschrank habe.«

MITTELALTERMARKT

Zweimal im Jahr findet auf Burg Rabenstein in Oberfranken der Mittelaltermarkt statt: im Mai/Juni von Fronleichnams-Donnerstag bis Sonntag – und drei Tage Ende Juli/Anfang August zu Beginn der bayerischen Sommerferien. Man kann dort zelten, auf einer Turnierfläche werden Schaukämpfe veranstaltet, Gaukler treten auf, Lautenspieler machen Musik – und auch die Landsknechte von der »Katzbalgerey« sind dabei, außerdem viele Stände von Handwerkern und Händlern – alles möglichst so wie im Mittelalter. www.burg-rabenstein.de

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