Antalya

Städtetrip Die türkische Großstadt Antalya

Auf den ersten Blick ist Antalya eine Metropole, auf den zweiten eine gemütliche Provinzstadt. Wer genau hinschaut, meint ein Dorf zu entdecken.
Als Urlaubort an der türkischen Südküste bietet sich Antalya nicht nur wegen den  Stränden und dem Blick auf das Taurus-Gebirge an. Attraktiv ist auch...
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Das Leben in Antalya

Die Fußgängerzone gegenüber vom Uhrturm ist mit hüfthohen roten Säulen abgesperrt, zwischen denen kein Auto hindurchpasst. Dann kommt ein Lieferwagen und fährt sie einfach um. Die Säulen geben nach, denn sie sind biegsam und zum Umfahren gebaut. Aber es gibt an anderer Stelle auch schwarze Säulen, die sind ernst gemeint und aus Eisen.

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So ist das in Antalya, man muss immer genau hinschauen. An einem Januartag, an dem die Sonne vom wolkenlosen Himmel brennt und eiskalte Luft von den Bergen im Norden herabweht, gehen die Menschen in dunkler Kleidung und gemessenen Schrittes auf ihrem Boulevard spazieren. Kein Lärmen, kein Hasten umgibt sie, scheinbar keine mediterrane Heiterkeit und auch keine orientalische Hektik in dieser stillen Stadt voller ernster Menschen.

Antalya lebt von Tourismus und Landwirtschaft, zwei recht geräuschlose Branchen. Hier gibt es keine Industriegebiete, keine Versicherungswolkenkratzer, sie haben hier auch keine Residenz, kein Serail, keinen Paradeplatz und nicht einmal einen Bahnhof. Das belebte Zentrum der Stadt ist winzig. Der Boulevard mit Wasserspielen und Skulpturen, die spielende Kinder darstellen, ist gerade mal 200 Meter lang. Antalya ist eine Kleinstadt - mit einer Million Einwohnern.

Die Altstadt Kaleiçi

Besucher und Einheimische laufen auf dem Weg ins Kaleiçi-Viertel durch das Marmorportal. Erbaut wurde es 130 nach Christus zu Ehren von Kaiser Hadrian, der damals die Stadt besuchte.
Lärm kommt nur aus den Läden, türkische Popmusik fördert den Verkauf von Schuhen, Schmuck und Handtaschen. Wenige Schritte von den großvolumigen Lautsprechern entfernt hört man keinen Gesang mehr, nur die Bässe wummern über die Häuser. Jenseits des Uhrturms, in der Altstadt Kaleiçi, lässt der Krach nach, dort sind die Straßen so eng, dass die Verkäufer von Mitbringseln sonst ihre eigenen Worte nicht mehr hören könnten.

In Kaleiçi legt erst abends die Musik los. Die Lautsprecherboxen sind überall von bester Qualität, nur die auf den Minaretten haben den Klang von ausgedienten Telefonen. Man fragt sich, wieso ausgerechnet der täglich fünfmalige Gebetsruf des Muezzins klingen muss wie eine Bahnhofsansage. Aber womöglich steckt dahinter ein Grund, der sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Denn auch der Akkordeonspieler, der zwischen den Wehrtürmen aus seldschukischer Zeit ein Lied nach dem anderen zum Besten gibt, verzichtet ja auf tiefe Töne. Er spielt virtuos und singt aus voller Kehle, nur die Bässe bleiben auf einem Ton, und erst wenn man genau hinschaut, erkennt man den Grund: Ihm fehlt der linke Arm. Er ist einer der Menschen, die ihr Geld auf der Straße verdienen.

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