USA

USA Skifahren in den Rocky Mountains

Skifahren in den Rocky Mountains

Die Luft ist dünn, das Atmen fällt schwer - hier oben auf 3500 Metern Höhe. Ein eisiger Wind fegt über die weißen Gipfel. Hände und Füße sind fast steif vor Kälte, die Gesichtszüge eingefroren. Doch das alles ist vergessen, "schwebt" man in rhythmischen Schwüngen den unberührten Hang talabwärts. Pulver, nichts als Pulver, bei jeder Drehung stauben kleine Eiskristall-Wolken in die Luft. Man hört viel über den Schnee in Nordamerika, über seine Einzigartigkeit, über die perfekten Bedingungen, die er für Wintersportler schafft. "Champagne powder" nennen ihn die Amerikaner, weil er so weich ist, extrem trocken und vor allem federleicht.

Anzeige

Nigel Mills liebt diesen Schnee. An mehr als 100 Tagen in der Saison braust der gebürtige Australier die Pisten von Vail hinunter. Skifahren, das ist seine Leidenschaft. So musste Nigel auch nicht lange überlegen, als er in den 1980er Jahren begann, ersten zahlenden Gästen die besten Abfahrten in diesem Teil der Rocky Mountains zu zeigen. Seine Leidenschaft hat er zum Beruf gemacht, und verbringt seitdem jedes Jahr mit seiner Familie die Wintermonate im US-Bundesstaat Colorado.

An der Talstation gibt es ein lockeres, freundliches "have a nice day" beim Scannen des Liftpasses - und schon geht es mit der Gondel hinauf in das größte zusammenhängende Skigebiet Nordamerikas. 1962 wurde in Vail der erste Lift in Betrieb genommen. Gerade mal 50 Jahre sind seit den Anfängen vergangen, doch die Entwicklung des Ortes war rasant. Wo vorher nichts stand, stampfte man Hotels und Appartementhäuser aus dem Boden. Galerien und Edelboutiquen zieren die Fußgängerzone, Spitzenköche servieren eine Küche für gehobene Ansprüche - und einen gut gefüllten Geldbeutel. Den Gästen soll es an nichts fehlen, und so wundert es auch (fast) nicht, dass die Bürgersteige, zwar entgegen jedes Umweltgedankes, beheizt sind.

Das Skigebiet hat mittlerweile riesige Ausmaße angenommen. Mehr als 120 Abfahrten sind allein auf der Frontseite des Hausbergs Vail Mountain zu zählen. Einer der Hauptgründe aber, warum es Wintersportler aus aller Welt nach Vail zieht, sind die legendären "back bowls", sieben Tiefschneeschüsseln im Hinterland, in denen es auf anspruchsvollen Hängen viel Platz zum Wedeln gibt. Es ist ein Rausch, dem früher oder später alle erliegen. So auch Pepi Gramshammer. Er kam als einer der ersten nach Vail, eröffnete ein Hotel und liebt den Ort und die Umgebung bis heute. "Ich fühlte mich von Anfang an wohl und hatte nie Heimweh", erzählt der gebürtige Österreicher. "Und was will man mehr: 300 Sonnentage im Jahr und im Winter den perfekten Schnee." Kein Wunder, dass der 80-Jährige noch regelmäßig selbst auf den Brettern steht.

Goldgräberstadt Breckenridge

Etwa eine Stunde von Vail entfernt liegt die alte Goldgräberstadt Breckenridge. Ein Gefühl von Wildwest strömt durch die Hauptstraße mit ihren bunten, im viktorianischen Stil erbauten Häusern. Eingerahmt wird der kleine Ort von vier mächtigen Gipfeln: Peak 7 bis 10. Hinter den schlichten Namen verbergen sich 150 Abfahrten - die im freien Gelände nicht mitgezählt. Unabhängig vom Startpunkt lässt sich das gesamte Areal befahren, ohne auch nur einmal die Skier abzuschnallen, denn die einzelnen Bereiche sind perfekt miteinander verbunden.

Breckenridge in den Rocky Mountains.
Jeff Andrew/Vail Resorts
Ein Hauch von Wildwest in Breckenridge.
Amerika, das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten", macht seinem Titel in Breckenridge alle Ehre: Läuft die Erschließung nach Zeitplan, soll bereits in der kommenden Wintersaison "Peak 6" eröffnet werden. Noch ein Gipfel, noch mehr Lifte, noch mehr schwarzes "Doppeldiamant", Waldabfahrten und Buckelrinnen. Da fragt man: Für wen eigentlich? Bereits jetzt sind mehrere Tage nötig, um das gesamte Skigebiet zu erkunden, bereits jetzt sind Liftschlangen Fehlanzeige, bereits jetzt sind die weitläufigen Hänge unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade meist menschenleer - außer an nationalen Feiertagen und mit Pech vielleicht auch mal an einem Sonntag.

Dennoch wird Skilehrer Jim "Bomber" Banks nicht müde, nach jedem Stehenbleiben den Blick auf eventuell von oben kommende Carver und Snowboarder zu richten. "Watch the traffic" - Sicherheit steht an erster Stelle, und das ist gut so, auch wenn im Schnitt nur alle paar Minuten ein Mitstreiter vorbeischwingt. Runter geht's, auf einen letzten Adrenalinschub des Tages hinein in "Brill's Thrill". Wie feinster Staub wirbelt der Schnee umher, die Bedingungen sind selbst jetzt am späten Nachmittag noch immer ideal - und die brennenden Oberschenkel werden schnell zur Nebensache.

Keystone, eine Katze ist hier der Höhepunkt

Auch 35 Kilometer weiter, im Skigebiet Keystone, hat sich die Trockenheit, und damit Leichtigkeit des Schnees nicht verändert. Und so wurde hier eine Katze zur Attraktion, mit der das Freeriden auf die Spitze getrieben wird. Beim sogenannten Catskiing geht es mit einer umfunktionierten Schneeraupe noch ein paar Hundert Meter höher in die einsame Bergwelt, zur "Alhambra", dem "Christmas Tree" oder "Goalpost Gully". Und wer am Abend immer noch nicht genug hat: In Keystone kann man auch noch unterm glitzernden Sternenhimmel seine Spuren ziehen.

INFO

Anreise: z.B. mit Lufthansa oder United Airlines (einmal umsteigen) von Frankfurt nach Denver. Weiter mit dem Shuttlebus oder Mietwagen in zwei Stunden nach Vail.

Unterkunft: Ski Tip Lodge in Keystone, DZ ab 50 Euro;  Vail Marriott Mountain Resort, DZ ab 300 Euro; Sonnenalp in Vail, je nach Saison DZ ab 280 Euro.

Restaurant-Tipps: Vail, Breckenridge und Keystone bieten etwas für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel. Ein besonderes Erlebnis ist ein Abendessen im "Game Creek Club" oder im "The 10th". Die beiden Berghütten mitten im Skigebiet haben auch abends geöffnet und servieren Menüs und à-la-carte-Gerichte.

Veranstalter: z.B. Faszination Ski & Golf (www.faszinationski.de) oder Argus Reisen (www.argusreisen.de)

Mehr Infos zu den Skigebieten: Die Skigebiete Vail, Breckenridge, Keystone (und als viertes Beaver Creek) firmieren gemeinsam unter dem Namen "Vail Resorts". Insgesamt stehen Wintersportlern so mehr als 500 Kilometer an präparierten Abfahrten zur Verfügung. Ausrüstung kann in jedem der im Verbund tätigen Sportgeschäfte ausgeliehen und zurückgegeben werden, Lifttickets sind Skigebietübergreifend. Die Pisten in Vail und Breckenridge richten sich mehr an Könner, Keystone dagegen zeichnet sich vor allem durch seine Familienfreundlichkeit aus. Kinder unter zwölf Jahren fahren hier kostenlos Ski. Außerdem ist Nachtskifahren bis 21 Uhr möglich. www.vail.com; www.keystoneresort.com; www.breckenridge.com

Promotion
Autor
Susanna Bloß