Kaikoura

Neuseeland Mit Kajak und Pferd die Südinsel entdecken

Der

Der Wind zerrt an den Haaren, als das Wassertaxi über die Wellen stiebt. Das Wasser glitzert türkisgrün in der Sonne, die Natur zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Links sehe ich hinaus aufs offene Meer, rechts ziehen baumbestandene Felsen und kleine Buchten mit goldenen Stränden vorbei. Auf einmal hält das Boot an und dümpelt nur noch leicht auf den sanften Wogen. Eric, der Skipper, zeigt auf einen runden, in der Mitte auseinander gebrochenen Felsbrocken, der nur wenige Meter vor dem Ufer aus dem Wasser ragt. "Das ist der Split Apple Rock", sagt er. "Laut einer Māori-Legende ging der Stein bei einem Streit zwischen Tāne Māhuta, dem Gott des Waldes, und Tangaroa, dem Gott des Meeres, zu Bruch."

Anzeige

Der Abel Tasman Nationalpark war eines der ersten Siedlungsgebiete der Polynesier in Neuseeland. Hier, im nördlichsten Teil der Südinsel Neuseelands, fanden sie optimale Lebensbedingungen, als sie vor mehr als 1000 Jahren ankamen: gute Wetterverhältnisse, eine günstige Verkehrslage und eine üppige Vegetation. Letztere wollen Eric und ich zu Fuß erkunden.

Der Weg schlängelt sich unter schattenspendenden Baumfarnen, Buchen und dunkelrot blühenden Pohutukawa-Bäumen entlang. Immer wieder lichtet sich der Wald und bietet einen atemberaubenden Blick auf den Ozean. Wir laufen auf einem Abschnitt des Abel Tasman Coast Tracks, der zu den neun Great Walks - den bedeutendsten Wanderwegen Neuseelands - gehört. Drei bis fünf Tage braucht man für die insgesamt 51 Kilometer. Unsere Wanderung endet aber schon nach knapp zwei Stunden: an der Bark Bay stehen für einen Ausflug leuchtend gelbe Kajaks bereit.

Mit einer dicken Schwimmweste ausgerüstet geht es los. Die ungewohnte Paddel-Bewegung ist zunächst sehr anstrengend, doch dann habe ich den Dreh raus und gleite geschmeidig über das klare Wasser. Teilweilse kann man bis zum sandigen Boden sehen. Unser Ziel: eine kleine Felseninsel, auf der Seehunde leben. Jetzt am Nachmittag fläzen sich die possierlichen Tiere faul in der Sonne. Ein einzelner Seehund planscht ausgelassen im Wasser - faszinierend den Tieren so nah zu sein.

Farewell Spit - vogelreiche Dünenlandschaft

Etwa 80 Kilometer westlich des Abel Tasman Nationalparks beginnt der Farewell Spit, ein Abschnitt der Golden Bay. Hier leben mehr als 90 verschiedene Vogelarten. Schwarze Schwäne, Austernfischer, Regenbrachvögel, Uferschnepfen und Steinwälzer teilen sich die schmale Landzunge, an ihrer äußersten Spitze brüten von September bis April Tausende Basstölpel. In einem rot lackierten Sightseeing-Bus geht es hinein ins Gelände, denn nur die ersten vier des 32 Kilometer langen Naturschutzgebiets und Vogelreservats sind frei zugänglich. "Der Strand ist jeden Tag anders, deshalb sind auch unsere Touren jeden Tag anders", sagt Paddy, der schon seit mehr als 25 Jahren in dieser Gegend als Touristenführer arbeitet. Mit seinen roten Haaren, dem rotem Bart und seinem Krempenhut sieht er aus wie ein irischer Cowboy.

Das Farewell Spit auf der Südinsel Neuseelands
Melanie Maier
Farewell Spit - mehr als 90 verschiedene Vogelarten leben hier.
Im Schritttempo fährt der Bus vorbei an Vogelschwärmen und Seehunden. Paddy fährt parallel zum Wasser, doch ab und zu lenkt er den Bus nach rechts oder links, um nicht im Schlick stecken zu bleiben. Plötzlich hält er an. "Schaut mal", ruft er aufgeregt. "Ein Isabellbrachvogel! Davon gibt es nicht einmal mehr 100 in Neuseeland. Den letzten habe ich vor fünf Jahren gesehen, dabei bin ich fast jeden Tag am Strand unterwegs." Wir erreichen das Ziel: eine riesige Düne. Wir steigen aus und laufen den hohen Sandberg hinauf, um den etwa einen Kilometer breiten Farewell Spit von oben zu betrachten. Auf beiden Seiten vom Meer eingerahmt, fällt der Blick Richtung Westen hinab auf den Strand und Richtung Osten auf niedrige, grün bewachsene Dünen - dort finden die Vögel ihre Nahrung und Nistmaterial. Der Weg nach unten gestaltet sich deutlich einfacher als der nach oben: Einmal tief Luft holen, dann den Mund fest zu und nach ein paar gewagten Sprüngen ist man wieder auf Meereshöhe.

Die Ngarua Caves entdecken

Noch am selben Tag bekomme ich die Golden Bay aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen: Als ich mit einem Pferd die Böschung hinaufpresche, verschwimmt die Landschaft regelrecht um mich herum zu einem impressionistischen Gemälde in Grüntönen aller Schattierungen. Der Rest der Reit-Truppe - einige davon zum ersten Mal hoch zu Ross - zockelt gemütlich hinterher. Der Ausritt führt über den ausgedehnten Privatgrund von Gail und Don, die sich vor 14 Jahren mit geführten Horse Treks selbstständig gemacht haben. Die beiden besitzen 22 Pferde, sanfte und gutmütige Tiere, auf die im Gelände Verlass ist. Immer höher geht es den Berg hinauf, bis ganz oben der Ausblick einen überwältigt: Das Farmland breitet sich aus wie ein grüner Flickenteppich, das tiefblaue Meer reicht bis zum Horizont.

Reiten auf der Südinsel Neuseelands
Melanie Maier
Hoch zu Ross den Norden der Südinsel Neuseelands erkunden.
Bei einem Ausflug in die Natur sollte man stets eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor parat haben. Neuseeland liegt unter dem Ozonloch, deshalb ist die Sonneneinstrahlung selbst bei bewölktem Himmel sehr hoch. Wichtig ist auch ein gutes Insektenschutzmittel. In Küstennähe gibt es oft Sandfliegen, deren Stiche stark jucken - gelbe und hellblaue Kleidung eher vermeiden, denn diese Farben locken Wespen und Hummeln an.

Nach etwa drei Stunden erreichen wir ein kleines Pinienwäldchen. "Hier seht ihr das Zwergen-Lager aus dem Film 'Der Kleine Hobbit'", sagt Gail. "Bei Nacht sieht es richtig gruselig aus." Ihr Mann Don wundert sich noch heute, wie Regisseur Sir Peter Jackson und sein Team die Lager-Szenen filmen konnten: "Die ganze Zeit über hat es geregnet! Ich weiß nicht, wie die das gemacht haben."

Die Ngarua Caves auf der Südinsel Neuseelands
Melanie Maier
Ngarua Caves: Die Tropfsteinhöhle wurde im 19. Jahrhundert entdeckt.
Das Zwergen-Lager ist aber nicht der einzige "Hobbit"-Ort auf der Südinsel: Auch auf dem Takaka Hill, oder auch Marble Mountain wie der Berg wegen seines Marmor-Vorkommens genannt wird, wurde im November 2011 gedreht. Dort besuche ich die Ngarua Caves, eine Tropfsteinhöhle, die am 6. Mai 1876 von einem gewissen H.B. Everett entdeckt wurde. Everett verewigte sich mitsamt Datum auf einem Stalaktit; als später weitere "Entdecker" folgten, taten sie es ihm gleich. Mittlerweile ist es natürlich verboten, etwas auf die Steine zu schreiben - schließlich sind sie schon einige Millionen Jahre alt.

Im Vergleich zu den warmen Temperaturen an der Erdoberfläche ist es kühl in dem 300 Meter langen Höhlennetz der Ngarua Caves. Doch der Ausflug in den Untergrund lohnt sich. Ein Raum voll faszinierender Steingebilde reiht sich an den nächsten. In der größten Höhle, der "Cathedral", fanden sogar schon Hochzeiten und Konzerte statt. Und es gibt noch einen weiteren Höhepunkt: Moa-Skelette, etwa 20 Stück. Die Laufvögel fielen zu Lebzeiten durch eine Öffnung im Boden und landeten sechs Meter tiefer in der Höhle.

Vor der Ankunft der Māoris waren Moas überall in Neuseeland verbreitet, doch die Polynesier jagten die flugunfähigen Vögel wegen ihres Fleisches und rotteten sie so in weniger als einem Jahrhundert aus. Heute zeugen nur noch vereinzelte Knochenfunde vom Vorkommen des Riesenvogels in Neuseeland. Nach etwa 45 Minuten sehe ich wieder Tageslicht. Auf dem Rückweg zum Parkplatz komme ich an der Stelle vorbei, an der Gandalf und Bilbo im Film nach Hause reiten. Ich bleibe stehen und genieße den herrlichen Ausblick auf die in der Sonne glitzernden Tasman Bay.

INFO:

Kajak-Tour im Abel Tasman Nationalpark mit Abel Tasman Kayak: www.abeltasmankayaks.co.nz

Sightseeing-Bus-Tour am Farewell Spit mit Farewell Spit Eco Tours: www.farewellspit.com

Hoch zu Ross mit dem Cape Farewell Horse Trek. Touren unter www.horsetreksnz.co.nz

Mehr Informationen zur Region unter www.nelsonnz.com

Promotion
Autor
Melanie Maier