Australien

Australien Perth - Stadt im ewigen Sommer

Skyline von Perth.

Die wichtigste Botschaft von Perth schickt der Himmel. Sie blinkt von den Fronten der Hochhäuser auf die Stadt hinab. Ganz oben an den Wolkenkratzern von Downtown prangen große Tafeln, auf denen die letzten Zahlen des australischen Aktienindex leuchten. "ASX 4927" zählt der digitale Ticker an diesem Dienstag im März. Ein nach oben gerichteter grüner Pfeil daneben attestiert: Stimmung gut, Kurse steigend!

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Die Geschäfte laufen bestens, die Wirtschaft boomt. Perth hat sich zur entlegensten Metropole der Welt gemausert. 1,5 Millionen Menschen leben hier, genießen den ewigen Sommer, das lockere Dasein, die Lust am Erfolg. Aus Downtown Perth ragen gläserne Wolkenkratzer in den azurblauen Himmel. Unten in den Straßen haben Dutzende moderne Cafés eröffnet, Beauty-Shops und Healthfood-Läden, dazwischen laufen gut gelaunte Großstädter mit Cappuccino-to-go in den Händen, Flipflops an den Füßen und Designerklamotten an den Hüften durch marmorblanke Geschäfte und vollklimatisierte Shopping Malls. Inzwischen gibt es hier, wo die meisten das Ende der Welt vermuten, fast nichts, was es nicht gibt.

Die Goldminen im Hinterland Westaustraliens haben Perth früh reich gemacht. Heute sorgt der Abbau von Eisen, Kupfer, Gas und Öl für stabile Geschäfte. Arbeiter und Banker strömen in die Region, die Immobilienpreise explodieren. In Perth wohnen mehr Selfmade-Millionäre pro Einwohner als anderswo auf der Welt. Perth wirkt dennoch gemütlich - wie eine aufgeräumte, in der Sonne brütende Vorstadtidylle zwischen Outback, Weinbergen und Ozean. Man kennt sich, winkt sich aus Autos, auf Straßen zu. Das Pläuschchen am Sonntagnachmittag wird gerne mal auf dem Surfbrett geführt, während man draußen im Meer auf die ideale Welle wartet.

In Leederville und Subiaco tost das Nachtleben

In den Vierteln Leederville und Subiaco strahlen die alten, heute bunt bemalten Holzhäuschen der frühen Goldgräber. Hier tost das Nachtleben. In Cottesloe und Scarborough fühlen sich die Surfer wohl - aber Sport treibt man hier eigentlich ständig. Die Wochenenden verbringt man gern beim Angeln, Segeln, Surfen, Campen, Jagen. Schließlich liegen hier Natur, Meer und Wildnis vor der Haustür.

Cottesloe Beach in Perth.
Jeff Drewitz/Tourism Australia
In Cottesloe fühlen sich Surfer wohl. Auch zum Baden ist dieser Strand gut geeignet.
So nett war es nicht immer. Wer Perth verstehen will, muss seine Geschichte kennen. Im hintersten Winkel Australiens krochen lange Zeit nur Giftschlangen durch die angrenzende Wüste, wucherten monströse Termitenhaufen bis vor die Türschwellen der ersten Siedlerhütten und schwimmen bis heute Tigerhaie im Meer. Vor 150 Jahren landeten hier Sträflinge, weil das weite, heiße Land allein schon Strafe genug war. Wer hier strandete, war verbannt in die Leere.

Wer in die nächste größere Stadt will, muss noch heute 2100 Kilometer weit reisen, erst dann taucht Adelaide am Horizont auf. Selbst Indonesien liegt von hier aus näher als Sydney an der Ostküste im eigenen Kontinent. Admiral Captain James Stirling von der britischen Marine hatte sich wahrlich einen entlegenen Ort ausgesucht, als er die Stadt Perth 1829 gründete. Ein staubiges Nest am Swan River, weit hinterm Outback und dann noch mal ein paar tausend Kilometer geradeaus.

Inzwischen gilt Perth als eine Art Kalifornien Australiens - der wilde Westen, der sich immer mehr entwickelt und zu einem beliebten Ziel wird. Die Sonne scheint beständig, die Strände sind gepflegt und gut erreichbar, im nahen Hinterland des Swan Valley gedeiht bester Wein. Heute kommen nicht nur Touristen aus aller Welt, die ein, zwei Tage in Perth verbringen, bevor sie an die raue Küste Westaustraliens aufbrechen. Inzwischen fliegen die Aussies selbst aus Adelaide, Sydney und Queensland rüber in ihren Westen, um zu schauen, wie hier das erfolgreiche Leben locker gelebt wird.

Allerdings wissen die Einwohner der Stadt sehr wohl, was Arbeit bedeutet. Zwölf-Stunden-Tage gehören zum Alltag, der Smalltalk über den Job zum guten Ton. Das Vergnügen kommt danach. Und sie erledigen auch dies auf die harte Tour: feiern bis in die frühen Morgenstunden, selbst sonntags mit Vorliebe, obwohl es Montag früh wieder in die Büros geht. Nicht umsonst nennen sich die Menschen der einsamsten Großstadt der Welt stolz Sandgropers: So heißt ein Wüsteninsekt, zu finden nur hier. Eine Art Super-Kakerlake. Einen Sandgroper kann man in der Mitte zerhacken - er lebt trotzdem weiter.

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Autor
Marc Bielefeld