Alice Springs

Australien Wüstenstadt Alice Springs

Botanischer Garten Pink Olive Alice Springs

Alice Springs ist eine echte Wüstenstadt - und die bekannteste Australiens noch dazu. Alles wirkt ein wenig eingestaubt. Daran stört sich aber niemand. Wenn man aus dem Outback kommt, wo man neben Millionen Fliegen kaum einer Menschenseele begegnet, fühlen sich schon 27.000 Einwohner an wie eine Großstadt. Dankbar wird der erste Supermarkt leer gekauft, überwältigend ist die Auswahl und bei Betrachtung der Errungenschaften im Einkaufswagen kommen wahre Glücksgefühle auf - die "Menüs" aus der Dose gehören der Vergangenheit an. Auch die Dusche auf dem Campingplatz ist himmlisch. Das Wasser plätschert aus der Leitung und spült die letzten Reste des Wüstentrips aus den Haaren.

Anzeige

Die Lebensgeister sind wieder geweckt und so fahren wir zum Botanischen Garten "Pink Olive". Das Farbenspiel dort ist einmalig. Der Himmel blau und klar, der Boden rot und staubig, die Pflanzen grün und satt. Zu unseren Füßen leuchten in den schönsten Rottönen Wüstenerbsen um die Wette. Weiter geht es zum Annie Myers Hügel. Von dort aus eröffnet sich ein weiter Blick über Alice Springs und Umgebung. In der Ferne liegen die Berge der West Macdonnell Ranges. Sie scheinen herüberzuwinken und zu rufen "Kommt her!". Doch dazu später.

 

Reptilienzentrum Alice Springs
Anja Haertel
Stacheliger Dornteufel im Reptilienzentrum Alice Springs.

Mit einer Python im Haar

Als erstes wird nämlich das Alice Springs Reptilienzentrum besucht. Es liegt an der Stuart Terrasse Nummer 9 und bietet die größte Reptilienausstellung in der Region. Für 16 Australische Dollar (umgerechnet etwa 11 Euro) können Echsen aus dem Nordterritorium hautnah erlebt werden, darunter Riesenwarane, Blauzungen-Eidechsen, Kragenechsen und die stacheligen Dornteufel. "Hands on fun for everyone" ist das Motto, das so viel bedeutet wie "alle Hände voller Spaß". Dieses Versprechen müssen wir testen.

Uns werden einige der Tiere aus den Terrarien persönlich vorgestellt. "Wer möchte Cala einmal halten?", fragt die Mitarbeiterin des Reptilienzentrums in die Runde. Betretene Blicke zu Boden. Cala ist eine Python, 1,80 Meter lang und 1,5 Kilogramm schwer. Schließlich erbarmt sich ein niederländischer Rucksackreisender mit Afro, in dessen Haarpracht sich Cala sofort verliebt. Immer wieder taucht die Schlange durch die Locken, bis sie sich völlig um den Kopf des verdutzten jungen Mannes geknotet hat. Aber auch mit einigen anderen Tieren ist Kuscheln erlaubt. Die streifenköpfige Bartagame (eine Echsenart) hat sich wohl ein Beispiel an Cala genommen, denn auch sie will hoch hinaus und klettert über Arm und Schulter auf meinen Kopf. Die Sicht aus 1,69 Metern Höhe muss einfach ausgezeichnet sein.

 

Simpsons Gap West Macdonnell Ranges
Anja Haertel
Roe Creek in der Simpsons Gap.

Der Ruf der Macdonnell Ranges

Am nächsten Tag folgen wir dem Ruf der Berge in die West Macdonnell Ranges. Die massive Bergkette erstreckt sich westlich von Alice Springs über rund 160 Kilometer. Es ist noch kühl, als wir in der Morgensonne unser erstes Tagesziel erreichen. Die "Simpsons Gap", eine Schlucht, durch die sich der Bach "Roe Creek" seinen Weg gebahnt hat. Am Ufer entlang wandern wir bis zu der Stelle, an der sich das Wasser durch den roten Fels schlängelt und der Pfad endet. Wir blicken zurück auf den Weg, den wir gekommen sind. In der Schlucht ist es still, außer uns ist niemand dort, abgesehen von ein paar Vögeln und Eidechsen, die sich auf den bereits in der Sonne liegenden Steinen wärmen.

Standley Chasm West Macdonnell Ranges
Anja Haertel
Nahezu senkrecht ragen die massiven Felswände der Standley Chasm in die Höhe.

Weitere 28 Kilometer in westlicher Richtung wartet mit "Standley Chasm" die wohl eindrucksvollste Schlucht der West Macdonnell Ranges auf uns. Langsam wird es warm, doch Outback-erprobte Abenteurer kommen gerade erst auf Betriebstemperatur. Am Ende eines steinigen Pfades steigen die 100 Meter hohen Wände der Schlucht nahezu senkrecht auf. Plötzlich kommt man sich ganz klein vor, während man Auge in Auge mit den gewaltigen Felsen steht, die nur durch einen wenige Meter breiten Spalt getrennt werden. Die Sonne steht nun fast senkrecht am Himmel und schafft es gerade, ein paar Strahlen bis auf den Boden der Schlucht hinabzuschicken. Der rot-orange leuchtende Stein erzeugt eine besondere Atmosphäre.

Der letzte Höhepunkt an diesem Tag ist die Ormiston Schlucht, die insgesamt 92 Kilometer westlich von Alice Springs liegt. Inzwischen ist es Nachmittag und die Sonne brennt mit aller Kraft vom Himmel. Von einem Aussichtspunkt oberhalb des Schluchteingangs eröffnet sich ein toller Blick ins Tal, in dem das Wasser des Ormiston Flusses vor sich hin plätschert. Der Pfad schlängelt sich im Hang entlang und führt uns hinunter in die Schlucht. Dort müssen wir den Fluss auf ein paar wackeligen Felsen überqueren. Plötzlich stehen wir vor einem mehrere Meter tiefen Abgrund. Eine Sackgasse? Tatsächlich, der Regen der vergangenen Wochen muss den Wanderweg "verschlungen" haben, der eigentlich um den Felsen herumführt. Umkehren ist keine Option, daher packen wir unser Hab und Gut in die Rucksäcke und waten durch das bauchnabeltiefe Wasser. Dahinter eröffnet sich ein kleiner, idyllischer Strand, an dem wir uns zufrieden in den Sand fallen lassen - und die Augen schließen.

Promotion
Autor
Anja Haertel