Ozeanien & Australien

Südsee Hula tanzen auf den Cookinseln

Einmal in der Woche bekommt Rarotonga Besuch von einem Jumbo Jet aus Los Angeles mit lauter schlaftrunkenen Passagieren, die kaum glauben können, dass sie gerade im Paradies gelandet sind. Genauso fühlen auch wir uns, als wir morgens um sechs Uhr mit einem duftenden Kranz aus Frangipani-Blüten am Flughafen begrüßt werden. Auf dem Weg zum Hotel rauscht die Morgensonne durch die Palmen und über den steil aufragenden Bergen in der Inselmitte hängt noch der Morgendunst.

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Im Pacific Resort Rarotonga beziehen wir unsere Bungalows mit Palmendächern und sitzen anschließend ungläubig am Strand. Wie ein gigantischer hellblauer Pool mitten im dunklen Ozean liegt die Lagune von Rarotonga still vor uns. Nach dem 24-Stunden-Flug braucht das gehetzte Großstadthirn etwas Zeit, um sich auf "Island time" einzustellen. Diesem ganz bestimmten "Alles kann, nichts muss"-Rhythmus,  nach dem die rund 14.000 Einwohner der größten aller 15 Cook Inseln leben. Darunter auch die 69-jährige Ingrid Cafferey aus Köln, mit der wir am Nachmittag zu einer Inseltour aufbrechen.

Sie lebt bereits seit 1967 auf der Insel und erzählt uns mit rheinländischem Schwung in der Stimme alles Wissenswerte. Wir erfahren nicht nur, dass es 37 Kirchen auf Rarotonga gibt und man die besten Ukulelen im Gefängnis kaufen kann, sondern auch, dass sie ihren Ehemann auf einem Heinz-Rühmann-Abend in Neuseeland kennengelernt hat und ihn anschließend auf dessen Heimatinsel geheiratet hat.

50 Minuten dauert es Rarotonga mit dem Auto zu umrunden, aber dank Ingrids faszinierender Lebensgeschichte brauchen wir dreimal so lang. Am Busfenster ziehen abwechselnd Kirchen, kleine Läden und mit Blumen geschmückte Gräber vorbei. Weil das Land seit jeher im Besitz der Einheimischen ist und lediglich vererbt oder verpachtet werden kann, sind weit und breit keine Hotelketten zu sehen.

Aileen Tiedemann
Fremdenführerin Ingrid in ihrer Wahlheimat Cookinseln
Auf den Cook-Inseln versteckt sich der Tourismus nicht hinter den Mauern von Luxusressorts, sondern Besucher bekommen schnell das Gefühl, am Inselleben teilzuhaben. Ständig sieht man die gleichen Gesichter und wird mit einem warmen Lächeln willkommen geheißen. So auch am Abend beim "Progressive Dinner", bei dem wir bei drei verschiedenen Familien zum Essen eingeladen sind. Zur Vorspeise gibt es Papaya-Salat und köstlichen rohen Fisch in Limettensaft im Garten von Danny Kelly und seiner Frau Jayne. In den Supermarkt gehen die beiden nur, um Milch und Fleisch zu kaufen, denn der Rest wächst direkt vor ihrem Haus: Kaffee, Mangos, Bananen und Süßkartoffeln.

Zur nächsten Station begleitet uns Danny Kelly mit seiner Ukulele im Bus. Während er "Teddybear" von Elvis spielt und der Busfahrer dazu singt, fahren wir zum Haus von Pae und Kafo. Das Ehepaar empfängt uns mit Blumenkränzen auf dem Kopf auf seiner Holzveranda und spricht ein Gebet, bevor wir lila Süßkartoffeln, fangfrischen Thunfisch und gedämpfte Brotfrüchte kosten dürfen. Auf dem Weg zum Dessert wiegt uns Danny mit seiner Ukulele in den Schlaf und nach ein paar Bissen Bananenkuchen fahren wir müde und glücklich zurück zum Hotel. 

Ananas am Strauch
Aileen Tiedemann
Verlockend: exotische Früchte
Am nächsten Morgen besteigen wir das Flugzeug nach Aitutaki. Die zweitgrößte Insel der Cook Islands hat gerade einmal 2000 Einwohner und ist für seine spektakuläre Lagune mit 14 einsamen Inseln berühmt. Der Pilot ruft uns aus dem Cockpit zu, dass wir uns anschnallen sollen und keine 45 Minuten später landen wir auf einer Rollpiste mit Holzhütte und werden mit Blumenkränzen und Trommelkonzert begrüßt. Schon jetzt ahnt man, wie sehr einen die grauen Anzugträger bei der Rückkehr am Hamburger Flughafen deprimieren werden.

Doch solche Gedanken verfliegen schnell, als wir kurz darauf zur Lagunentour auf einem traditionellen polynesischen "Vaka Tit ai Tonga"-Boot aufbrechen. Einen halben Tag lang kreuzen wir durch das türkise Meer vor Aitutaki und machen auf zwei einsamen Inseln Halt. Auf Akaiami, wo die amerikanische TV-Show "Survivor" gedreht wurde, balancieren wir auf einer schräg über den Strand hängenden Palme und auf One Foot Island schauen wir einer Tanzgruppe beim Hüftenschwingen unter Palmen zu. Beim Schnorcheln gleiten wir über mannsgroße Mördermuscheln hinweg, in die man unter keinen Umständen seine Finger halten darf, und essen danach Mittag an Bord. Als wir am frühen Abend vom Bootsanleger zu unserem Hotel unterwegs sind, fährt ein Auto mit dem Kennzeichen "TANZ" vor uns her. "Das ist der Spitzname meiner Freundin Tania", erklärt unsere Fahrerin Misepa. "Aitutaki ist so klein, dass jeder seinen Namen auf sein Nummernschild schreiben kann."

Hula tanzen
Aileen Tiedemann
Hula-Hüftschwung lernen schon kleine Mädchen
Im Pacific Resort Aitutaki, dem einzigen Fünf-Sterne-Ressorts der Cookinseln, werden wir mit Kokosnüssen und Hibiskusblüten am Strohhalm in Empfang genommen. Die Bungalows verstecken sich in dichtem Grün direkt am Strand und haben alle eine Hängematte, in der man sich zwischen zwei Palmen hängend entspannen kann. Geht es noch besser? Kaum! Und trotzdem steigert sich dieser perfekte Tag noch, als wir uns abends im Restaurant "Samade Beach" eine Tanzshow anschauen. 

Obwohl sie für die Touristen inszeniert ist, wirkt sie authentisch. Erst erklingen die Trommeln der Band, dann schwingen vier Hulatänzerinnen in pinkfarbenen Röcken ihre Hüften. Im Hintergrund singt eine Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm und ein alter Mann spielt Ukulele. Egal ob alt, dick, dünn oder jung - alle machen mit, weil Tanzen und Singen auf den Cook Inseln ganz einfach zum Leben dazu gehört. Genauso wie Blütenkränze, oder dass Kokosmilch direkt aus der Nuss getrunken wird. Schon die Jüngsten bekommen von ihren Müttern beigebracht, wie man seine Hüften geschmeidig bewegt und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch ein vierjähriges Mädchen bei der Show mitmacht.

Als zum Ende des Auftritts einige Gäste aus dem Publikum zum Tanzen aufgefordert werden, wird der Unterschied zwischen lebenslangem Üben und einmaligem Ausprobieren deutlich. Ein paar australische Männer versuchen sich ekstatisch im Hula-Tanz und ein dicker Junge im Palmenrock  fordert mich zum Tanzen auf. Meine Bewegungen wirken kantig im Vergleich zu seinen, aber das ist jetzt auch egal. Mitten im Ozean weit weg von der Realität, komme ich mir vor wie in einem unwirklichen Film. Es gibt sie eben doch noch, diese entlegenen Inseln, auf denen Südseeträume wahr werden.

INFO

Wissenswertes:  Die 15 Cook Inseln sind auf einer Fläche so groß wie Westeuropa verstreut. Von der südlichsten Insel Mangaia bis zur nördlichsten Penrhyn ist es so weit wie von London nach Neapel. Auf der kleinsten Insel Suwarrow wohnt nur ein Mensch. Manua und Takutea sind unbewohnt. Einen regelmäßigen Flugverkehr gibt es zwischen Rarotonga, Aitutaki und der 400-Einwohner-Insel Atiu.

Flug: London-Los Angeles-Rarotonga mit Air New Zealand inkl. Zubringer-Flug aus Deutschland ab 1415 Euro. Weiterflug mit Air Rarotonga nach Aitutaki ca. 160 Euro (www.airraro.com)

Unterkünfte: Pacific Resort Aitutaki & Pacific Resort Rarotonga: www.pacificresort.com;  Atupa Orchid Units: günstige Bungalows auf dem Grundstück der Ex-Kölnerin Ingrid Cafferey auf Rarotonga, www.atupaorchids.co.ck;  Aro’a Beachside Inn: erschwingliche Apartments auf Rarotonga, www.aroabeach.com

Mehr Info: www.cookislands.travel

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Autor
Aileen Tiedemann