Namibia

Namibia Namib-Wüste - Meer aus Sand

Achill Moser kennt die Wüsten dieser Welt wie kein Zweiter. Zu Fuß und auf dem Kamel hat er mehr als 20 000 Kilometer durch 28 Wüsten der Erde zurückgelegt. Dabei begegnete er großen Gefahren, doch trotz aller Sandstürme, Schlangen und Skorpione bekommt er "nie genug von dieser grandiosen Ödnis".
Sascha Goebel war auf seiner Hochzeitsreise 2011 in Namibia - ihn faszinierte vor allem die schöne Landschaft und die Tierwelt im südlichen Afrika.
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Wie ein Nomade unterwegs zu sein – das ist es, was ich liebe. Immer wieder bin ich hingerissen von der Widersprüchlichkeit der Wüste, vom empfindsamen Wechsel zwischen Faszination und Bedrohung. Schritt für Schritt läuft beim Gehen in der Wüste die Landschaft mit. Das stetige Dahingehen wird zur Urform der Meditation – denn zu Fuß hält die Seele Schritt.

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Mich begeistert das Gehen in einer Wüste, weil mir so mancher Schritt in der Einöde als einzigartig erscheint. Oft betrete ich unberührten Boden, laufe über unerschlossenes Terrain, auf dem vielleicht nie zuvor ein Mensch gewandelt ist. Und manchmal kann ich es kaum ertragen, dass ich beim Wüstenwandern mit meinen Schritten im unversehrten Sand Spuren hinterlasse, die vom Wind bald wieder zugedeckt werden. Manchmal ist der lockere Sand auch so weich wie Tiefschnee, dann sackt man bis zu den Knien ein. Anfangs geht man noch mit Elan und Begeisterung. Doch irgendwann werden die Schritte mühseliger. Man hat Sand in den Stiefeln, in der Kleidung, in Augen, Nase und Ohren – und das Vorankommen erscheint wie ein Auf-der-Stelle-Treten.

Dennoch: Ich liebe den Sand. Er ist ein geheimnisvoller Stoff. Sand ist weder richtig fest noch flüssig. Sand ist fein und geschmeidig, ein Zwitterstoff, der, je nach Region, meist aus vielfältigen Mineralien besteht, die man unter dem Mikroskop betrachten kann: Mal sind es transparente, milchig trübe Quarzkörper, dann wieder ist es ein Gemisch aus Granit-, Basalt- und Flintsteinchen. Sandkörner sind Getriebene des Windes, die sich in stechende Ungetüme verwandeln können, wenn Windfurien gelbe Sandbänder vor sich hertreiben. Sand ist für mich das Element des Unsteten schlechthin.

In der Namib-Wüste türmen sich bis zu 380 Meter hohe Dünen. Noch mehr als andere Wüsten ist sie ein magischer Raum jenseits der Vorstellungskraft: maßlos, geheimnisvoll, unberechenbar. Der Ausblick gleicht einer gewaltigen Filmkulissen-Landschaft. Man sitzt auf dem Grat einer Düne, sieht gelegentlich die S-förmigen Spuren der giftigen Zwergpuffotter oder die Raupenmuster einiger Käfer und blickt staunend in die Weite, wie man eben Dinge anstarrt, die so viel größer sind als man selbst. Größen und Distanzen entsprechen nicht mehr den normalen menschlichen Erfahrungswerten; die menschliche Winzigkeit steigert sich hier ins Unfassbare. Die Namib ist ein Ort, der Ruhe und Energie zugleich ausstrahlt. In ihr zu wandern ist, als würde man umprogrammiert – von der grandiosen Natur. Es ist Abenteuer und Lebensfreude, Inspiration und Selbsterfahrung; für mich ein Allheilmittel gegen alles, was mich in dieser schnelllebigen Welt in Stress versetzt.

Sven Hedin, der große Erforscher der asiatischen Wüsten, sagte einmal: "Jedermann braucht eine Wüste." So geht es auch mir. Hin und wieder brauche ich einfach ein Stückchen Einöde, in dem ich mich völlig frei bewegen kann und wo ich Gedanken habe, die ich niemals woanders denken würde, wo ich ganz nahe daran bin, einen Zipfel des Erkennens zu packen, um einen Sinn in dieser manchmal doch ziemlich absurden Welt zu sehen. Ohne die "Erlebniswelt Wüste" könnte ich nicht leben – denn zwischen windgeformten Sanddünen, bizarren Felsformationen und dem von Horizont zu Horizont reichenden Himmelsblau fühle ich mich einfach wohl.

Mehr als 2000 Tage habe ich in den Einöden der Welt verbracht, rund 20 000 Kilometer wie ein Nomade zurückgelegt – und je tiefer ich in die Wüsten vordrang, desto faszinierender wurden sie. Ich erlebte Wüstentage voller irrwitziger Glücksvisionen, fühlte mich wie ein gottestrunkener Mystiker und war so nahe an den Träumen, dass mich das Unterwegssein in Sand und Stein regelrecht süchtig machte. Anderntags offenbarte sich die unermessliche Einsamkeit als tiefer Abgrund. Besonders nachts wurde mir dann die ungeheure Aggressivität der Wüste bewusst, die wie ein lauerndes, gefährliches Tier dalag, zum Sprung bereit, um mich mit Haut und Haaren zu verschlingen.

In uns selbst zeigt die Wüste, was sie ist. Sie ist Himmel und Hölle zugleich. 

Tipp: Wer Achill Moser live erleben möchte, hat am 12. April 2014 in Hamburg die Chance dazu. Zusammen mit Autor Matthias Politycki berichtet er in einer Live-Multivisionsshow von Sehnsuchtsorten: Eine Reise von Timbuktu nach Samarkand.

 
Achill Moser

Achill Mosers Buch "Das Glück der Weite" ist bei Hoffmann und Campe erschienen. Er schildert darin die Höhepunkte seiner Reisen durch faszinierende Einöden auf vier Kontinenten.

 
 

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Autor
Achill Moser