Türkei

Türkei Pamukkale, das weiße Wunder

Die Kalksnterterrassen von Pamukkale in der Türkei.

Kurz hinter Denizli zeigt der Busfahrer zum Horizont und ruft: Da ist es! Alle Hälse recken sich nach vorn, und tatsächlich: ein weißer Fleck. Seit Jahrtausenden liegen die weißen Terrassen von Pamukkale an einer Felskante, über die heißes Wasser fließt. Beim Abkühlen setzt sich Kalk ab - und hat damit jene märchenhafte Landschaft geschaffen, die seit 1988 zum Unesco-Welterbe zählt.

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Besucher dürfen nur auf festgelegter Strecke nach oben laufen. Sie müssen die Schuhe ausziehen, aber viele belassen es nicht dabei, sondern gehen in Bikini oder Badehose, weil sie vor der gleißenden Kulisse nackte Haut zeigen wollen. Das gilt vor allem, aber nicht nur, für die Damen, von denen sich viele sehr gekonnt in Szene setzen. Wenn sie dabei aber in eines der mit Wasser gefüllten Becken steigen, ertönt sofort eine Trillerpfeife, und ein Aufpasser scheucht sie zurück.

Die künstlich angelegten Becken von Pamukkale
Klaus Bossemeyer
Es darf nur in den künstlich angelegten Becken gebadet werden.

Baden darf man nur in einigen künstlich angelegten, flachen Betonbecken - und in der künstlichen Rinne, durch die das Wasser über den bis zu 100 Meter hohen Abhang läuft. Da sitzen dann hintereinander wasserumtoste Touristen, als spielten sie Eisenbahn. Manche sind von der Aussicht auf Kühlung auch derart hingerissen, dass sie sich in voller Kleidung hineinlegen und enttäuscht werden: Das Wasser ist 35 Grad warm.

Oben auf dem Plateau liegen die Ruinen von Hierapolis. In der antiken Stadt ist ein römisches Bad mit hohen Gewölben besonders gut erhalten. Es beherbergt ein archäologisches Museum, das einige reich verzierte Sarkophage zeigt. Entschädigung für das Badeverbot in den Terrassenbecken bietet gleich hinter dem Museum der "Antique Pool". In dem angenehm warmen Quellwasser schwimmt man zwischen Säulenteilen umher, und sicher haben hier auch schon Römer ihre Wehwehchen kuriert, wie es heute Besucher aus aller Welt erhoffen - aber das Bad selbst ist der Rest eines Hotelpools.

Die Kalksinterterrassen von Pamukkale in der Türkei.
Klaus Bossemeyer
Eine gute Laune der Natur: die Kalkterrassen von Pamukkale.

Damals hatten schlaue Unternehmer ihre Anlagen direkt über die Terrassen gebaut, das Wasser erst in ihre Pools geleitet und dann auf den Abhang. Mit fatalen Folgen: Das Wasser kühlte schon dort oben ab und bildete den weißen Sinter, auf die Terrassen aber floss Schmutzwasser, und es bildete sich kein neuer Travertin mehr. Den Rest erledigten die Touristen, die vor 20 Jahren noch in Schuhen herumlaufen und in allen Becken baden durften.

Vom leuchtenden Pamukkale-Weiß war kaum noch etwas zu sehen, der Hang lag so grau und unansehnlich da, dass Umweltorganisationen Alarm schlugen. Die Regierung geriet unter Druck und ließ die Hotels schließen, im Jahr 2000 wurde das letzte abgerissen. Nur die Fundamente blieben - und der "Antique Pool". Für Archäologen der Zukunft könnte er ein großes Rätsel werden.

Das Phänomen von Pamukkale wiederholt sich nur gut fünf Kilometer entfernt. Das Dorf Karahayıt hat seinen eigenen Wunderfelshang - nur diesmal in Farbe. Auch hier sprudelt heißes Wasser, aber hier färben Eisen und Schwefel die Felsen in knalligem Rot, Gelb und Grün. Eindrucksvoll, jedoch keine Konkurrenz für die Sinterterrassen. Weiß liegt bei den Besucherzahlen weit vorn. Die meisten Touristen sind Tagesausflügler, die zum Abendessen wieder zurück in ihren Hotels an der Küste sind.

Besonders bei Vollmond lohnt es sich, die Nacht in Pamukkale zu verbringen. In dem kleinen See unterhalb des Abhangs darf man auch nach Einbruch der Dunkelheit baden. Das fahle Licht legt sich über die menschenleeren Terrassen, und man kann nur noch schweigen, schauen und staunen.

Neben den Kalkterrassen bietet die Ägäisküste noch eine Fülle weiterer Gelegenheiten zum Baden. Wunderschöne Buchten mit feinen Sandstränden liegen oft versteckt - und manchmal hat man sie sogar für sich allein.

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