Portugal

Europa Porto - heimliche Hauptstadt Portugals

250.000 Menschen leben in Porto.

Unser Spaziergang beginnt am Pacos do Concelho, dem Rathaus von Porto, auf der Praca da Liberdade, einer der wichtigsten Plätze und gleichzeitig Mittelpunkt der Stadt. Nicht nur der riesige Granitbau schaut selbstbewusst auf das unentwegte Treiben dieses modernen Viertels, sondern auch etliche Portugiesen, die unter der Reiterstatue des portugiesischen Königs Don Pedro IV., im Schatten sitzen. Hier treffen wir Amalia. Sie kommt häufig an diesen Ort, sagt sie, um Freunde zu treffen und zu plaudern. Ines eine Freundin von ihr gesellt sich zu uns. "Das müsst ihr euch unbedingt ansehen!" sagt sie und kritzelt eine Tour auf unseren Stadtplan. Dann verabschieden sich die beiden lächelnd. "Adeus! Viel Spaß!"

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Der Platz Liberdade ist der Anfang unserer Stadttour. Hier beginnt die Prachtstraße Avenida dos Aliados mit ihren Hotels, Cafés und Restaurants in schicken Gebäuden der 1920er Jahre. Die Straße ist Dreh- und Angelpunkt jeglicher Verkehrsmittel. Sie bedeutet Ankunft und Weiterreise. Am unteren Ende der Praca, gegenüber des Rathauses, prunkt das Luxushotel "Palacio das Cardosas", rechts neben dem Bahnhof Sao Bento, von dem man mit den Vorortsbahnen bequem an die Strände oder ins Landesinnere fahren kann. Die meisten Besucher allerdings bewundern eher die Eingangshalle aus den 1930er Jahren, deren gekachelte Wände erzählerisch mit "Azulejos" geschmückt sind. Auch wir stellen und in die Mitte der Halle, um den Blick ungestört einmal über die typisch portugiesischen Fliesenbilder schweifen zu lassen.

Am Bahnhof entlang, den Hügel hinauf bis zur Barockkirche Igreja de Sto Ildefonso, erhebt sich die älteste Einkaufsstraße Rua de 31 de Janeiro. Die pompös verzierten Eingänge locken den Spaziergänger in die Geschäfte. So auch das berühmte Kaffeehaus "Majestic" in der Rua Santa Catarina. Die Café hat uns Amalia empfolen, denn es sei "muito bonita" mit seinen stuckverzierten Decken und ornamentalen Spiegeln, die die Gäste in das Flair des Art-déco eintauchen lassen.

Nach einem portugiesischen Milchkaffee, dem Galao, geht es weiter, vorbei an Delikatessenläden und Boutiquen in Jugendstilhäusern. Wir passieren auch das älteste Hotel der Stadt, das "Grande Hotel do Porto" und die vollständig in blau und weiß gekachelte Capela das Almas. Dann erreichen wir den Mercado do Bolhao. Die 100 Jahre alten Markthallen bieten fangfrischen Fisch, buntes Gemüse und Blumen an. Und so lokal der Markt ist, so lokal sind die Produkte - die Fische stammen aus dem nahen Atlantik, das Gemüse aus der Region. Zur Mittagszeit kommen die Arbeiter ins Marktlokal und essen in der Sonne sitzend gegrillten Tintenfisch mit einem Gläschen Vinho Verde. Und wie fast überall in den Restaurants dieser Stadt erfrischt der Hauswein, der ganz in der Nähe, im Douro wächst. Noch geht es hier gemütlich zu, "aber spät Abends sind die Ausgehstraßen Galeria de Paris und Candido dos Reis voll von Nachtschwärmern.Vamos dançar", sagte Amalia.
 

Häuserwand in Porto.
Maike Klein
Gealtert: Patina an den Gebäuden in Porto.

In der Rua Camelitas schlagen die Uhren langsamer. Vor allem in der Buchhandlung "Lello & Irmao" von 1906 steht die Zeit still. Der Besucher betritt den Laden durch den Eingang einer neugotischen Fassade und steht plötzlich in einem von Büchern und holzvertäfelten Wänden in einem schummrigen Innenraum, der magisch erleuchtet wird von einer Decke aus Buntglas. Inmitten biegt sich eine hölzerne Wendeltreppe hinauf in die obere Etage, die nur aus einem den Raum umarmenden Balkon besteht. "Harry Potter" ist von Amalia auf unserem Stadtplan gekritzelt worden. Sie hatte behauptet, dass die englische Schriftstellerin Joanne Rowling, während ihres Portoaufenthalts von der Buchhandlung inspiriert wurde.

Im Jardim da Cordoaria unter schattigen Bäumen liegen

Wir durchqueren den Jardim da Cordoaria unter schattigen Bäumen, an pittoresken Hausfassaden entlang, vorbei an dem ausgedienten Gefängnis Antiga Cadeia da Relacao, das nun als Fotomuseum genutzt wird, bis wir unter dem Torre dos Clerigos einen Espresso nehmen. Tatsächlich ist der Turm auch heute noch, nach über 150 Jahren, mit seinen 76 Metern Höhe eine Orientierungshilfe für jede Stadterkundung - nicht nur damals vom Meer aus für die Seefahrer. Unter dem Glockenturm breitet sich ein Netz aus engen, winkligen Gassen aus. Hinter dunklen, zwei- bis dreistöckigen Gebäuden, deren Fassaden ohne Patina nicht mehr auskommen wollen, schlägt das historische Herz der alten Hafenstadt.

Die Altstadt von Porto
Maike Klein
Ein schöner Sommertag in der Altstadt von Porto am Ufer des Douro.

Die Altstadt  Ribeira mit ihrem maroden Charme kriecht melancholisch den steilen Hang hinunter bis zur Flussmündung des Douros, dessen Uferpromenade mit all seinen Restaurants, Kneipen, Terrassencafés und Straßenhändlern die Schwermut in quirlige Lebhaftigkeit verwandelt. Entlang des Kais flanieren an Wochenenden und Feiertagen sowohl Einheimische als auch Besucher und verbringen Stunden in der Sonne auf den Mauern sitzend oder auf Booten, die vom Fluss aus faszinierende Ausblicke auf die Stadt erlauben.

Am Ende des bunten Uferviertels führt eine gigantische Stahlkonstruktion über den Douro auf die andere Seite. Kein Wunder, dass die Brücke Dom Luis 1 von 1886 an den Eiffelturm erinnert, denn ein Schüler von Eiffel hat sie entworfen. Hier im Viertel Vila Nova de Gaia lagern die Portweine in lang gestreckten Hallen, auf deren Dächern stolz die Namen der Portweinbarone stehen: Sandemann, Taylor, Kopke, Ferreira, Calem. Ausflügler kommen her, um Portwein zu testen, aber auch, um in einem der rustikalen oder modernen Restaurants entlang der Uferpromenade zu essen und die pittoreske Skyline der Altstadt auf der anderen Seite zu genießen, die am Nachmittag schattig dreinschaut.

Auf dem mit Holzbalken verkleideten Kai schauen Amalia und Ines, dem Sonnenuntergang zu. "Ola", rufe ich und wir setzen uns zu ihnen. "Der beste Platz für den späten Nachmittag", sagt Amalia, "noch besser mit einem Glas Port." Ihr Wunsch geht in Erfüllung, denn wir haben in einem der zahlreichen Weinläden im Ribeira einen alten, im Holzfass gelagerten Portwein erstanden. Am Ufer stoßen wir zusammen auf das Ende des Tages an. "Saúde!" prosten wir uns lachend zu. Kulissenhaft, ja fast unwirklich erscheint Porto von dieser Seite des Flussufers. Vorgelagerte Portweinboote, Rabelos, schwanken auf der glitzernden Wasseroberfläche, dahinter erstrecken sich vom Douro die Hügel hinauf dunkle, kleingewachsene Häuser mit tief roten Ziegeldächern. Und ganz oben bewacht die mächtige Cathedrale Se do Porto die heimliche Hauptstadt Portugals.

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Autor
Maike Klein