Portugal

Portugal Auf Grenzerfahrung an der Algarve

Bootstour auf Guadiana.

Hier ist Portugal am Ende. Vila Real de Santo António liegt an der äußersten Ecke des Landes, im Süden der Atlantik, im Osten der große Nachbar Spanien. Die Grenze markiert der Fluss Guadiana. Ausflugsschiffe fahren von hier aus Richtung Norden - eine ideale Fahrt für alle, die das Hinterland der Algarve (und das der Küste Andalusiens) in aller Ruhe kennenlernen wollen.

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Die ersten Kilometer führen durch eine lagunenartige Landschaft, Revier von Seereihern, Störchen und Flamingos. Mit etwas Glück bekommt man die Tiere auch vor die Linse. Bessere Chancen haben allerdings Passagiere, die ein Paket aus Jeep-Safari und Bootstour gebucht haben. Dann wird es einsam: Das letzte monumentale Zeugnis der Zivilisation ist die Autobahnbrücke zwischen dem portugiesischen Castro Marim und Ayamonte auf spanischer Seite - ein 666 Meter langer und rund 100 Meter hoher Koloss, der den an dieser Stelle fast einen halben Kilometer breiten Guadiana überspannt.

Winzig klein wirkt im Vergleich dazu der Ausflugsdampfer, der sich auf dem Wasser Richtung Norden schiebt, hinein in eine schier endlose Weite, in der sich der Blick verlieren kann. Gemütlich geht es vorbei an Weiden und Feldern, an sanften Hügeln mit Oliven- und Feigen-, Orangen-, Mandel- und Johannisbrotbäumen. Hier und da lassen sich vom Schiff aus Überreste aus der Jungsteinzeit und der Zeit der Römer und Mauren entdecken. Dazwischen liegen stille weiße Dörfer, die roten Ziegeldächer leuchten in der Sonne.

Nach zwei Stunden Fahrt legt das Schiff in Foz de Odeleite an. Zeit für einen Lunch im Schatten, zum Schwimmen oder für einen Bummel durch das beschauliche Örtchen. Wer nach der Pause nicht umkehrt, sondern die längere Fahrt bis Alcoutim gebucht hat, passiert bald das Dorf Guerreiros do Rio. Der Name bedeutet übersetzt "Krieger am Fluss" - ein Hinweis auf die blutigen Auseinandersetzungen der Vergangenheit, als hier am Guadiana Portugal und Spanien gegeneinander kämpften. Im Museu do Rio sind die Ereignisse dokumentiert, etwa der Friedensvertrag von Alcoutim im Jahr 1371: Damals trafen sich die Könige beider Länder feierlich in der Mitte des Flusses, um Frieden zu schließen. Der aber nicht lange hielt: Die Spanier fielen wieder ein; erst 1668 erkannten sie die Unabhängigkeit Portugals an.

Heute liegt Alcoutim ruhig und friedlich in der Sonne. Über dem Ort thront ein Kastell, das Mauren im 11. Jahrhundert errichteten. Auf der spanischen Seite des Flusses, der hier, 35 Kilometer von der Küste entfernt, noch fast 200 Meter breit ist, sieht man auf das Örtchen Sanlúcar de Guadiana. In Alcoutim dreht das Boot um, drei Stunden später kommen die Passagiere wieder in Vila Real de Santo António an. Um den Guadiana rankt sich übrigens eine Legende: Wie die beiden anderen großen Ströme Portugals, Tejo und Duero, soll er einst ein Flussgeist gewesen sein. Diese drei Geister veranstalteten einen Wettstreit. Gewinnen sollte derjenige, der zuerst den Atlantik erreichen würde. Vor dem Tag des Rennens legten sich alle drei schlafen, aber der Guadiana wachte als Erster auf und sicherte sich so die schönste Strecke durchs Land.

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