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Österreich Genusshauptstadt Graz

"Bermuda Dreieck" nennen die Grazer ihr Kneipenviertel hinter der Herrengasse. Anders als in dem gleichnamigen Seegebiet nördlich der Karibik gibt es allerdings hier nur eine Gefahr: gemütlich in einer Kneipe zu versacken.

"Die Steirer", sagt Cyril Dance höchstvergnügt, "sind ein furchtbar genusssüchtiges Volk. Und in Graz kulminiert das Ganze bedenklich." Für ihn sei das fatal. Ein Berufsrisiko. Cyril Dance ist nämlich Reiseleiter. Er gehört zu den Graz Guides, und die bieten - hier liegt sie, die süße Gefahr - kulinarische Rundgänge durch die Stadt an, bei denen allerorten etwas gekostet wird. Das muss so sein, sonst begreift man nicht, weshalb Graz seit 2008 den Titel "Genusshauptstadt Österreichs" trägt.

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Die erste Station auf dem Grazer Genuss-Rundgang ist der Bauernmarkt am Kaiser-Josef-Platz. Jeden Tag bis auf Sonntag pilgern Bauern aus der Umgebung in aller Herrgottsfrüh her und verwandeln den Platz in eine bunte Bühne. Knallgrün und an den Rändern rosa leuchten die Salatköpfe der Grazer Krauthäuptel, rot die Bäckchen der Äpfel, schwarzviolett die Käferbohnen. Es duftet nach Gewürzen, nach frisch gebackenem Brot. Es gibt Käse, Würste, Schinken, Selchfleisch und "Verhackerts" - so nennt man den Brotaufstrich aus fein gehacktem geräuchertem Speck.

Hier, auf dem Markt im Zentrum von Graz, dürfen die Gäste des Stadtrundgangs zum ersten Mal diese Leckereien kosten - und dann sind alle schon verzückt. In Graz spielt sich das Leben auf der Straße ab. Überall in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt wird kommuniziert und gemeinsam gegessen, wie in Italien.

In drei verschiedene Restaurants führen die Reiseleiter die Gäste, wo sie jeweils ein regionales Gericht probieren - aber gemütlich ist es überall. Mal sitzt man in einem modernen Glasquader ("Aiola Upstairs"), mal in einem angesagten Szenerestaurant ("Eckstein"), mal in einem steirischen Wirtshaus ("Stainzerbauer"). Zwischen den Gängen serviert Cyril Dance Anekdoten. Am liebsten von Karl II., dem Erzherzog von Innerösterreich. Der Mann lebte im 16. Jh. in Graz, aß für sein Leben gern, und vom vielen Schlemmen wurde ihm schnell die Hose zu eng. Doch der Erzherzog war gewieft: Noch während großer Gelage ließ er den Hofschneider ins Stadtschloss kommen und sich eine vergrößerte Kopie seiner Hose anfertigen.

Von Mitte März bis Mitte Oktober starten die kulinarischen Stadtführungen in Graz samstags und sonntags ab 10:30 Uhr. Preis: 49 Euro (inkl. Essen und Trinken), die Restaurants wechseln. Dauer drei bis vier Stunden. Unbedingt vorher anmelden! Buchungen über www.graztourismus.at

Neben den kulinarischen Höhepunkten in Graz kommen auch Architekturliebhaber auf Ihre Kosten. Von der historischen Altstadt bis hin zu junger, zukunftweisender Architektur bietet die Stadt eine besondere Vielfalt, die es zu entdecken lohnt. Erfahren Sie unserem Artikel "Innovative Architektur in Österreich" mehr zu diesem Thema. 

Und wer Gefallen an der österreichischen Küche gefunden hat, sollte noch einen Abstecher ins 150 Kilometer entfernte Wien machen und den "kulinarischen Höhepunkt" der Stadt besuchen: den Naschmarkt.

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