Österreich

Österreich Donaufestwochen im Strudengau

Die Geschichte der Oper ist zugleich die Geschichte einer Emanzipation. Bis ins 17. Jahrhundert waren wichtige musikalische Werke fast ausschließlich religiös motiviert, mit der "Erfindung" der Kunstform Oper im 17. Jahrhundert allerdings gelangten erstmals weltliche Geschichten auf die
großen Bühnen am Hofe. Das gefiel den Bürgern: Opernaufführungen erfreuten sich solcher Beliebtheit, dass Ende des 17. Jahrhunderts allmählich ein öffentliches Konzertwesen entstand.

Anzeige

In Hamburg gründeten Bürger 1678 das erste öffentliche Opernhaus, 1693 folgte die Leipziger Oper. Händel, Telemann und Kollegen komponierten also bald für eine Öffentlichkeit, die ihnen thematisch und auch musikalisch neue Wege eröffneten.

Im 19. Jahrhundert geriet die Barockoper fast in Vergessenheit

Umso tragischer, dass die Barockoper im 19. Jahrhundert fast in Vergessenheit geriet. Auch im 20. Jahrhundert hatte sie es an den großen Opernhäusern lange nicht leicht, sie galt als verstaubt und muffig, lieber hörte man Verdi, Rossini oder Wagner. Seit zwanzig Jahren allerdings sind die Werke von Monteverdi, Purcell, Händel oder dem ganz jungen Mozart wieder häufig auf den Spielplänen der großen Bühnen zu finden. Denn das Publikum hat die hochemotionalen Musikdramen mit ihren virtuosen Arien und ihrem großem harmonischen und melodischen Reichtum wieder lieben gelernt. Auch, weil sich viele hervorragende Solisten und Ensembles wie Il Giardino Armonico oder das L’Orfeo Barockorchester in den letzten Jahrzehnten um die Barockmusik verdient gemacht haben.

Strudengau: Donaufestwochen präsentieren Barockmusik

Umso schöner, dass sich im österreichischen Donautal Strudengau nun ein ganzes Festival der Barockmusik – speziell der Barockoper – verschrieben hat. Jeden Sommer im August präsentieren die
Donaufestwochen in tollem Ambiente barocke Opernwerke und Instrumentalmusik.

Ein Genuss nicht nur für die Ohren, sondern auch für die Augen: Im Renaissancehof von Schloss Greinburg hoch über der Donau sind barocke Opernproduktionen zu sehen, in historischen Stiftskirchen spielen Kammermusikensembles und auf alten Strudengauer Bauernhöfen musizieren internationale Solisten.

Reinhard Winkler
Jährlicher Höhepunkt ist stets die von Intendantin Michi Gaigg musikalisch geleitete Opern-Eigenproduktion im Arkadenhof von Schloss Greinburg. Gaigg ist keine Unbekannte der Barockszene, sondern selbst eine virtuose Violinistin und Leiterin des renommierten L’Orfeo Barockorchesters. Ihr ist es ein besonderes Anliegen, auch Unbekanntes von den großen Meistern der Musikgeschichte - wie Telemann, Händel oder Mozart – auf die Bühne zu bringen. So erfuhr im Jahr 2012 bei den Donaufestwochen auch die selten gespielte Oper "Betulia Liberata" des erst 15jährigen Wolfgang Amadeus Mozart eine gefeierte Freiluftauffürung. Mit dem dramatischen Nebeneffekt, dass sich nur wenige Sekunden nach dem Ausklingen des letzten Taktes ein enormes Gewitter über dem Arkadenhof von Schloss Greinburg ergoss. Musiker und Publikum retteten sich in den Rittersaal. Perfektes Timing für eine perfekte Show.

2014 finden die Opernfestwochen vom 25. Juli bis 15. August 2014  statt.

Promotion
Autor
Anne-Ev Ustorf