Niederlande

Niederlande Texel - Urlaub an der Nordsee

Für Vogelkundler ist die Nordseeinsel ein Paradies: Tausende Zugvögel machen im Herbst Station auf Texel

Ein Urlaub in Nordholland ist herrlich und bietet viel mehr, als man zunächst vermutet: Kilometerlange weiße Sandstrände, mittelalterliche kleine Städte sowie Naturschutzgebiete und das ist noch lange nicht alles, was Texel, für seine Gäste bereit hält. Auf der Nordseeinsel, die zu Holland gehört, gibt es neuerdings auch "Woolness". Zudem kann man hier die Authentizität und Ruhe genießen. Merian zeigt Ihnen ein paar nützliche Tipps:

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Ihre Tipps für den nördlichen Teil Hollands im Überblick: 

Über die Nordseeinsel Texel

Auch an so einem prächtigen Tag mit Schäfchenwolken am Himmel und einer salzigen Meeresbrise in der Luft ist Arnold Langeveld keiner, der den Blick vom Boden abwendet. Der 51-jährige Bauer, der 200 Hektar Land sein Eigen nennt, stapft zum höchsten Punkt auf der niederländischen Nordseeinsel, seine Gesichtsbacken sind gerötet, durch seine ergraute Igelfrisur pfeift der Seewind. "Genau hier ist der Kern von Texel in der Eiszeit entstanden, als die Gletscher Findlinge und Lehm vor sich herschoben", sagt Langeveld. "Wir nennen es den hohen Berg, also 'Hoge Berg' auf Niederländisch". Vor ihm dösen ein paar weiße Schafe, der Blick schweift erstaunlich ebenerdig über Wiesen zu Holzscheunen in der Ferne. Langeveld lacht. Der angebliche Mount Everest von Texel liegt gerade einmal 15 Meter über dem Meeresspiegel.
Für die Insulaner ist jeder einzige Zentimeter Höhe kein schlechter Witz, sondern ein Segen. In vielen Fällen ist es sogar eine Errungenschaft, mussten sie das Land vor der niederholländischen Küste über Jahrhunderte immer wieder gegen das stürmische Meer verteidigen. Der See ein paar Quadratmeter mehr abtrotzen, durch den unermüdlichen Bau von Deichen und Wällen, durch das so genannte "Einpoldern", der Trockenlegung und Entwässerung. Etwa sechsmal so groß wie das deutsche Sylt ist die niederländische Nordseeinsel – im Osten liegt das Wattenmeer, im Westen erstrecken sich schneeweiße Strände und Naturschutzgebiete, wie zum Beispiel das Salzwiesengebiet "De Slufter". Hier machen im Herbst nicht nur Schwärme von europäischen Zugvögeln Halt, sondern auch Scharen von Vogelbeobachtern. So wie Winni Brauner.
 

Texel-Schafe auf Texel

Bettina Hensel
Robuste Tiere: Texel-Schafe sind das ganze Jahr über auf der Weide

Der Mitvierziger ist mit dunklem Allwetter-Parka, Gummistiefeln, dickem Vogellexikon und einem Fernrohr auf der Pirsch, doch er ist zu früh dran. "Hier ist nichts wirklich Aufregendes zu sehen, abgesehen von ein paar heimischen  Löfflern", sagt er. Der Deutsche aus Stromberg ist kurz vor den "Dutch Birding Weekend" mit seinem Bus auf die Insel gereist. Er wollte den rund 600 Beobachtern zuvorkommen, die zur Zugvogel-Hochsaison die Insel bevölkern. Doch vielleicht hat er doch noch Glück. Gerade hat ein anderer Beobachter via Smartphone ein seltenes Thorshühnchen aus Island vermeldet. "Eine Rarität", wie Brauner meint, er ist in Eile.

Scotch und linke Schuhe: Kuriose Fundstücke an Texels Stränden

Auf der Insel gibt auch eine zweite Sorte Raritätenjäger, die ebenfalls schnell auf den Beinen sind, notfalls auch bei Nacht und Nebel: die Strandgutsammler. Früher war das "Jüttern" Bestandteil des Lebensunterhalts auf der Insel. Die Insulaner suchten am Strand nützliches Treibgut so wie angeschwemmtes Holz zum Bau ihrer Häuser und zum Heizen. Fündig wird man hier oft: Nördlich von Texel verläuft eine der meist befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt. So manchen Schiffen oder ihrer geladenen Fracht wurden die haushohen Wellen und die stürmische See schon zum Verhängnis. Von einigen der gekenterten Boote erzählen heute noch die Namen der Insel-Landgüter. Heisst ein Bauernhof "Rio Grande", hatte sein Eigentümer im Zweifelsfall kein Fernweh, sondern fand Plancken des Unglück-Schiffs am Strand.

De Slufter ist das einzige Gebiet in den Niederlanden, in dem das Meer ungehindert einströmen kann.

Heute ist das Sammeln eine Art Volkssport unter den Texelanern. Besonders nach einem starken Sturm wird die ganze Insel nervös. Dann, wenn Wind und Wellen ganze Containerkisten von großen Frachtschiffen reißen und das Meer Scotch-Kisten, frischgrüne Bananen, oder auch illegale Fracht wie Drogen-Lieferungen ausspuckt. Das gesammelte kuriose Potpourri an Funden wird im Strandgut-Museum bei Den Koog ausgestellt. Dabei geben das ein oder andere angespülte Fundstück auch Rätsel auf.

Manche bleiben ungelöst, wie das um die Herkunft der am Strand gefundenen Sammlung an Liebesbriefen. Der Grund für die angespülte Überzahl an linken Schuhen ist jedoch geklärt, vom Museumsdirektor persönlich. "Wenn ein Schuh bei uns angespült wird, ist es in der Regel der Linke", sagt Profi-Jütter Jan Uitgeest. "Das kommt durch die gebogene Form: Die Schuhe schwimmen mit der Spitze nach oben und folgen so der Strömung Richtung Texel. Die rechten Schuhe landen dagegen in England, Schottland oder Irland".

De Slufter Nationalpark auf Texel in den Niederlanden

Bettina Hensel
De Slufter ist das einzige Gebiet in den Niederlanden, in dem das Meer ungehindert einströmen kann.
 

Das Strandgutmuseum auf Texel

Genauso wie die Jagd auf linke Schuhe oder anderes seltsames Strandgut hier etwas zählt, genauso fremd ist den Insulanern die Jagd auf Prominenz oder auf Statussymbole, für die andere Nordseeinseln bekannt sind. Die Inselbewohner sind genauso unprätentiös wie bescheiden. Teure Autos oder protzige Häuser sieht man auf der Insel so gut wie gar nicht. Alles ist klein und soll auch klein bleiben: Das Alte, etwa die schönen Backsteinhäuser in der Hauptstadt Den Burg, genauso wie das Neue. "Es gab eine große Diskussion darüber, als ein Hotel im Badeort De Koog am Strand über vier Stockwerke hoch gebaut wurde“, sagt Langeveld und schüttelt den Kopf. "Das war definitiv das Letzte!"

Das Strandgutmuseum auf Texel

Bettina Hensel
Das Strandgutmuseum auf Texel

Inselklatsch: "Bauer sucht Frau" wird auf Texel gedreht

Auch den Tourismus wollen die Insulaner lieber überschaubar halten: 43.000 Betten für Fremde, das soll das Maximum bleiben; auf der sechsmal kleineren deutschen Nordseeinsel Sylt gibt es mittlerweile fast doppelt so viele Gästebetten. Der Verkauf von Häusern an reine Saisonnutzer ist durch strenge Auflagen reglementiert. Diese Politik zahlt sich aus: Das Sozialleben ist noch intakt, es gibt Schulen bis zum Gymnasium, fast jeder kennt jeden. Dort drüben wohnt der Landwirt, der noch mit einem Eimer melken geht, hier der Bürgermeister. Neuester Insel-Klatsch ist der Bauer Christiaan Rodenburg aus De Cocksdorp, der für Aufsehen sorgte, weil er 2013 am TV-Format "Die Nadel im Heuhaufen“ teilnimmt, das niederländische Pendant zu "Bauer sucht Frau". Der 39-jährige unterhält auf seinem Hof "Labora" eine Kuhzucht. Aus der dort gewonnen Milch werden jährlich 35.000 Liter Speiseeis hergestellt. 

Robuste Tiere: Texel-Schafe sind das ganze Jahr über auf der Weide

Die Kuhzucht ist auf Texel eher die Ausnahme als die Regel, denn der karge Böden eignet sich besser für andere, wesentlich anspruchslosere Weidetiere, die mit ihren kleinen Hufen zum Nutzen aller auch noch die künstlich angelegten Deiche fester treten: Schafe. Seit dem 15. Jahrhundert ist Texel als "Schafsinsel“ bekannt. Die  "Verbeterd Texels Schaaps" sind aus einer Kreuzung mit englischen Böcken entstanden. "Ein typisches Texelsches Schaf ist kurz, hat einen dicken Popo und steht stark auf den Beinen," fasst Langeveld die Charakteristik zusammen. An der Wolle wird kaum etwas verdient, es geht vorwiegend um das zarte Lämmerfleisch, eine leicht salzhaltige Delikatesse.

Woolnessen: Wellnessen mit Schafwolle

16.000 Schafe leben derzeit hier, damit hat die kleine Nordseeinsel 2000 mehr Schafe als Einwohner. Im Frühling verdoppelt sich ihre Zahl, wenn die Lämmer geboren werden. Genau 100 Tage haben Touristen dann noch Zeit, die Jungtiere niedlich zu finden - zum Beipiel auf einer extra ausgeschriebenen Lämmer-Radroute, die auf 35 Kilometern an Weideflächen und Bauernhöfen entlang führt. Das restliche Jahr über sind die Lämmer nur noch als Stofftier-Souvenir und auf Postkarten zu sehen. Wie zum Beispiel in der kopfsteinbepflasterten Einkaufsmeile im mittelalterlichen Hauptstädtchen Den Burg mit seinen 6900 Einwohnern. Dort steht auch noch so manch anderes im Zeichen des Schafs: Es gibt schafsgefütterte Jacken und Puschen, anstelle von Gartenzwergen zieren Keramikschafe den Eingangsweg und sogar Heckenbüsche sind in Schafsform geschnitten.

Wellnessen mit Schafwolle: Marianne Langeveld wickelt Gäste im Hotel Texel ein

Auch Bauer Langeveld macht "in Schafe", allerdings nicht mehr als landwirtschaftlichen Erwerbszeig. In seinem "Hotel Texel", das er neben dem Bauernhof zusammen mit seiner Tochter Marianne betreibt, bietet er seinen Gästen Wellnessen mit Schafwolle an. "Woolnessen ist das neue Wellness", wirbt Langeveld. Bei der Behandlung wird der Gast mit acht Rollen maschinell zugeschnittener Schafwolle im Stehen einbandagiert, das entspricht der Rückenbedeckung von zwei ausgewachsenen Muttertieren. Die Wolle ist unbehandelt und nur von Hand gesäubert, damit das Wollfett, das sogenannte Lanolin, seine Wirkung auf der Haut zeigen kann. Bei  meditativen Klängen aus dem CD-Rekorder wird man hier wie "Little Jesus" in eine nachgebaute Futtergrippe aus Holz gelegt und mit einer extra Wolldecke zugedeckt, das Fett kann jetzt 30 Minuten in die Haut einziehen.

Wellnessen mit Schafswolle: Marianne Langeveld wickelt Gäste im Hotel Texel einMichael Forst

Wellnessen mit Schafwolle: Marianne Langeveld wickelt Gäste im Hotel Texel ein

Arnold Langeveld ist überzeugt davon, dass die neue Wellness-Idee den Touristen gefällt. "Das ist einzigartig", sagt er. "Davon bekommt man eine ganz weiche Haut". Und er muss es selbst am besten wissen. Früher hat er selbst noch 400 eigene Schafe geschoren. Heute lässt er sich die Wolle fürs Woolnessen vom Hof der Kikkerts liefern, denn sein Bauernhof "Nieuw-Breda“ ist mittlerweile auf den Anbau von Saatkartoffeln, Zuckerrüben und "Blumenzwiebele" spezialisiert. Der Umsatz aus der Landwirtschaft hat den Boden für das Hotel bereitet. "Die Basis von allem fängt im Boden an", dessen ist sich Langeveld gewiss.

Weitere Tipps für Ihre Reise zu den holländischen Nordseeinseln: 

Wie komme ich am besten nach Texel? 
Texel zählt neben Vlieland, Ameland und Terschelling zu den größten Westfriesischen Inseln, die zu Holland gehören. Texel ist zirka 60 Minuten von Amsterdam entfernt und über den Hafen Dan Helder in 20 Minuten per Fähre erreichbar. Neben dem Strandgutmuseum lohnt auch ein Besuch des "Ecomare“, eines der ältesten Seehundeaufzuchtstationen. Texel bietet 135 Kilometer Wanderwege, 225 Kilometer Radwege und eine der drei größten Fallschirmschulen Europas. Eine schöne Besonderheit: Auf der Insel darf man an ausgewiesenen Stellen mitten in den Dünen zelten. 
Ausführliche Informationen über Texel gibt es beim Fremdenverkehrsverein VVV Texel.

Wo finde ich Ferienhäuser, Ferienwohnungen und Co an der holländischen Nordseeküste?
Den Tourismus wollen die Insulaner überschaubar halten. Dennoch müssen sich Urlauber keine Gedanken machen, keine geeignete Unterkunft zu finden. Hier gibt es genügend Angebote, was Campingplätze, Ferienwohnungen oder - wer mit mehreren Personen verreist - auch Ferienhäuser angeht. Gerade auf der Insel Texel, in den Ortsteilen De Koog oder De Cocksdorp, mit seinen traumhaften Dünen befinden sich zahlreiche Ferienhäuser. Auf Vlieland sind die meisten Ferienwohnungen im Norden der Insel gelegen, während Sie auf Ameland an der Westküste oder in der Mitte der Insel nach Unterkünften Ausschau halten sollten. 

Wie viel Zeit sollte ich einplanen? 
In einer Woche kann man herrlich entspannen, wollen Sie jedoch eine Reise durch Nordholland oder auf eine weitere Westfriesische Insel anhängen, sind zwei Wochen empfehlenswert.  

Welche Nordseeinseln lohnen sich außerdem? 
Wer Interesse an weiteren Nordseeinseln hat, kann sich auch auf der Norderney umsehen.

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Autor
Bettina Hensel