Ostsee

Rügen Sehenswürdigkeit Kreidefelsen

Ostsee Rügen Kreidefelsen

Wo stand er nur? Auf der Suche nach dem Ort, an dem Caspar David Friedrich 1818 sein berühmtestes Bild, "Kreidefelsen auf Rügen", in Ölfarben auf die Leinwand bannte, blicken Spaziergänger entlang der Steilküste immer wieder in den Abgrund. Stand er an den Wissower Klinken? Bei der Kleinen Stubbenkammer südlich des Königsstuhls? Kunsthistoriker vermuten: Friedrich fügte wohl seine verschiedenen Skizzen zu einer Gesamtkomposition zusammen – darunter auch zahlreiche Details, die heute nirgends mehr zu finden sind. Denn Rügens weiße Küste verändert sich unablässig.

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So imposant die Klippen auch sind, so weich ist ihr Kern aus Kalziumkarbonat im Inneren: Es sind die Überreste fossiler Winzlinge aus einem Nordeuropa bedeckenden Meer, das vor rund 70 bis 100 Millionen Jahren hier plätscherte. Schicht um Schicht lagerten sich diese Kleinstlebewesen am Meeresgrund ab. Über weitere Jahrmillionen wuchs die Kreideschicht auf stellenweise über 400 Meter. Durch gewaltige Erdbewegungen und den Druck des von Gletschern zerriebenen Gesteins wurde die Kreide während mehrerer Eiszeiten schließlich aus dem Untergrund gewölbt. Das Ergebnis sind die Kreidekliffs, die mit ihrem Hochwald, dem Geröllstrand, den Findlingen und dem 118 Meter hohen Königsstuhl die nordöstliche Steilküste Rügens zum Wahrzeichen der Insel machen. Rund 250 000 Besucher schauen jedes Jahr vom Königsstuhl aus über die weiße Küste. Nicht alles, was die hellen Wände bergen, stammt von den kalkhaltigen Mikroorganismen. Ganze Schichten sind mit Feuersteinen durchsetzt, mit den Resten von Kopffüßern ("Donnerkeilen") oder Seeigeln.

Neben Fossiliensammlern zieht es auch Künstler immer wieder an die schroffe Küste. Sie folgen Caspar David Friedrich (1774-1840), der die Kliffs sogar erkletterte – was schon damals streng verboten war! Sieben Mal war der in Greifswald geborene Friedrich auf Rügen. Hier verbrachte er 1818 einen Teil seiner Hochzeitsreise und verewigte sich wahrscheinlich selbst in Öl, in den Abgrund blickend, neben ihm die 20 Jahre jüngere Gattin im roten Kleid. "Ein Bild", wusste der Meister, "muss nicht erfunden, es muss empfunden sein".

Ausstellungen zu Rügens Kreidefelsen finden Sie im Nationalpark-Zentrum Königsstuhl (J 2), Stubbenkammer 2, Tel. 038392 66170, www.koenigsstuhl.com

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