Türkei

Türkei Bodrum, die Stadt ist für alle da

Bodrum in der Türkei

Strand, Meer, das Nachleben der Stadt und Landidylle in einem Urlaub? Oh, ja! Die Halbinsel Bodrum im Südwesten der Türkei an der Türkischen Ägäis hat sich mit ihrem vielseitigen Angebot in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Reisedestinationen des Landes gemausert. Nicht aufgrund der günstigen Last Minute Preise, wie etwa in Side oder Antalya. Das war einmal. Viel mehr zeigt sich die Stadt nicht mehr wie einst als vergessenes Fischernest, sondern als Reiseziel mit gehobenen Hotels und einem schillernden Lifestyle – beinahe wie an der Côte d’Azur. Ein Urlaub in Bodrum ist überraschend und facettenreich. 

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Jachten ankern im tiefblauen Meer der Halbinsel

Wenn alle Welt Bodrum schon mit der Region der Côte d’Azur vergleicht, dann bitte: das Angebot ist da, von Foie gras bis Riviera. Und jetzt, am Weststrand, wieder ein Moment, der eins zu eins auch in Saint-Tropez oder Cannes passieren könnte: Zwei junge Männer in Beige sitzen in einem Tenderboot. Sie reden, sie zeigen auf das Display ihres chromblitzenden Cockpits, sie warten auf die Rückkehr der Passagiere, die sie zu chauffieren haben. Raus aufs Meer und zu einer Jacht, die auf tintenblauer Türkischer Ägäis ankert und die noch viel größer ist als die, zwischen denen die beiden hier eingeklemmt am Pier liegen. Und die vielleicht einem türkischen Neureichen gehört, der erfolgreich in Textilien oder Immobilien macht, schließlich boomt die Türkei wie nie zuvor. Noch aber sind die Ausflügler auf Landgang, stöbern vielleicht in den Regalen von Nine West oder Tommy Hilfiger oder gönnen sich bei Kahve Dünyası, dem türkischen Starbucks, zwei Kugeln sündhaft guten Schokoladeneises. Oder sitzen in einem schicken Restaurant bei einem Kaltgetränk.

Mediterranes Feeling mit Gewürzaromen im Urlaub

Laisser-faire und Savoir-vivre? Kann man hier auch haben. Lebensart ist schon lange keine französische Domäne mehr, und auch die 30.000 Einwohner der Stadt an der Südwestküste der Türkei verstehen viel davon. Und selbst wenn Bodrum wie Bottrop klingt - rau und herb sind hier höchstens die Spitzen des Taurusgebirges, das hinter dem Küstenort mit seinen weißen Häuserwürfeln anwächst. Die Stadt Bodrum selbst hat alle Zutaten, um sich mediterran zu fühlen: wohltuende Sonne, kuschelige Buchten, imposante Berge und buschweise Bougainvilleen (auch bekannt als Drillingsblume). Und über allem das Aroma des Mittelmeeres, aus Kaffee- und Knoblauchdüften, aus Meer und dem Parfümduft der Ausgehenden am Abend.

Es gibt eine Kreuzritterburg, das Kastell St. Peter, durch dessen romantisch verlottertes Gelände zutrauliche Pfauen staksen und dessen ungeschlachte, glatte Marmortreppen mit dicken Antirutsch-Klebestreifen gesichert werden müssen. Und es gibt eine propere Marina mit gefühlt 1000 Luxusbooten, die sich reihenweise aneinander schubbern und drängeln, die edlen Außenwände mit Fendern voreinander geschützt und gepuffert. Auf vielen der Decks ist selbst in Hafenlage und zu jeder Tages- und Nachtzeit etwas los, wird gerade eine Partie Tavla, die türkische Version von Backgammon, gespielt oder eine Flasche Weißwein entkorkt. Die Bodrumer Behörden haben dafür klare Regeln aufgestellt, die auf Schildern verlangen, "Krach zu vermeiden, andere nicht zu stören".

Und dann sind da Bodrums alte Zeiten, die immer noch romantisch auf die Gegenwart abstrahlen und in denen es mal mehr, mal gar nicht von Bedeutung war. In denen mit mehr Bedeutung hieß es Halikarnossos, zählte antike Stars wie den Geschichtsschreiber Herodot zu seinen Söhnen und ein Weltwunder wie das Mausoleum des Statthalters Maussolos zu seinen Bauten. In denen mit weniger Glanz fristete es als unbekanntes Fischerdorf sein Leben. So auch, als Cevat Şakir hierher kam.

Urlaub in Bodrum, einst ein völlig vergessenes Fischernest

Es waren die zwanziger Jahre, Şakir ein kritischer Journalist, der die Hinrichtung von Deserteuren kritisiert hatte. Ein Gericht schickte ihn dafür in die Verbannung - ausgerechnet nach Bodrum in der Türkei, das damals ein völlig vergessenes Fischernest war. Aber anderthalb Jahre unter der Burg von Bodrum, und die Stadt war zu Şakirs neuer Heimat geworden. Sie blieb es auch, als die Strafe verbüßt war. Nach und nach folgten ihm Freunde und andere Künstler an die Türkische Ägäis. Bodrum wurde bunt, ein Kleinod türkischer Bohème, und dieser Ruf zog durchs ganze Land. Şakir & Co. reisen mit den Fischern die Küste entlang, Şakir gab diesen Ausflügen den Namen "Blaue Reise", sich selbst nannte er "Fischer von Halikarnassos".

Schnorcheln vor der Küste Bodrums.

Dorothea Schmid

Ausflug zum Schnorcheln

Heute schifft man sich auf sogenannten Gulets ein, schweren, motorisierten Zweimastern aus Holz, und cruist die Küste entlang. Crew und Stopps sind im Angebot inklusive. Vom Wasser aus betrachtet, sind es eben diese Gulets, die gemeinsam mit dem Kastell ein Bild von Bodrum zeichnen, das wie aus der Zeit gefallen wirkt, wie ein Set für einen Historienschinken.

Die "Blaue Reise" ist noch heute ein Magnet und generiert so charmante Verkäufer wie Enis Tünay, die im Vergleich zum Rest der Bodrumer sehr gutes Englisch in ihr iPhone sprechen. Tünay vermietet Segelschiffe für Tagestouren - an Pärchen mit Romantikdrang oder Freundescliquen mit Feierabsicht. Der Preis ist, ganz nach Bootsklasse und Landessitte, Verhandlungssache. "Ich verspreche nicht viel, nur ein unvergessliches Erlebnis", sagt Tünay. Und als hätte die Abendsonne der Türkei einen Werbe-Deal mit ihm, gießt sie just in diesem Moment eine Portion Extra-Goldlicht über das Deck seines Schiffes.

Dorothea Schmid

Luxus neben Einfachheit unter demselben blauen Himmel

Auch wenn Bodrum seinen Geheimtipp-Status verloren hat, weil aus "klein und lauschig" "groß und schrill" wurde, es hat immer noch seine hübschen Ecken und Momente. "In Bodrum", formuliert es Lâle Apa, die Herausgeberin des Magazins Bodrum - The Guide, "koexistiert Luxus neben Einfachheit unter demselben blauen Himmel. " Man könnte auch sagen: Links der Burg ist es wie in Kampen auf Sylt, rechts wie am Ballermann auf Mallorca. Während links in schicken Lounges Tee oder Efes, das Nationalbier, auf Tabletts serviert werden, herrscht rechts Happy-Hour- und Fake-Designertaschen-Kultur.

Die Urlauber sind internationaler Herkunft

Zahlreiche Urlauber sind türkisch, es folgen Engländer und Deutsche. Es kommen "reich und schön" und "jung und schön", aber auch "familiär" oder "pauschal"; und es rauschen die Ronaldos und Abramowitschs dieser Welt übers Wasser. Mit Jachten, so groß wie geschrumpfte Kreuzfahrtschiffe. Geankert wird dann aber weniger im Epizentrum des Amüsements mit seinen wummernden Discos und Bars mit Namen wie "Déjà vu", sondern vor Hotels mit Luxus-Status.

Luxus in Bodrum.
Dorothea Schmid

Hotels und Resorts in Bodrum: Luxus über den Dächern Bodrums

Der Luxusherbergen-Neubau ist nicht ohne Grund in den vergangenen Jahren an den Rand von Bodrum ausgewichen, man schätzt Alleinlagen. Und Küste gibt es hier und Strand schließlich überall. Das Hotel "Kempinski", seit acht Jahren vor Ort, hat sich 14 Kilometer außerhalb aufgestellt, an der Barbaros Bucht, der Investor und Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen baut edle Hotels in der Nähe von Göltürkbükü. Überhaupt verdichten sich die Indizien, dass Göltürkbükü das neue Bodrum ist. Es liegt 25 Straßenkilometer nördlich von Bodrum und wirkt exklusiver, feiner. Die Baustelle des Hotels "Mandarin Oriental" ist so top-secret, dass Neugierige, die nur mal gucken wollen, von einem Wachmann davon abgehalten werden.

Feyza Taner Arslanalp ist da anders, sie bittet einen gleich herein. Mit ihren raspelkurzen roten Haaren und ihrem Lässig-Look wirkt sie wie eine Galeristin und hat in der Tat mit Kunst zu tun. Sie ist die Managerin des grandiosen Hotels "Casa dell’Arte", das seinesgleichen in der Gegend sucht. Nicht nur, dass es architektonisch ein Juwel ist mit seinen offenen Fluchten und minimalistischen Betonwänden, es hängt auch voll mit Kunstwerken. Große türkische Maler sind ebenso vertreten wie internationale Newcomer. Die können hier sechs Wochen umsonst wohnen, eine Art Stipendium, sie bekommen ein Atelier gestellt und bezahlen dafür mit zwei Bildern, die sie der "Casa" überlassen. Und alle Störfaktoren wie andere Gäste mit schreienden Kindern werden räumlich von ihnen ferngehalten.

Wenn sie wollen, können sie den Kindern aber gern auch etwas beibringen. Oder sich auf dem hauseigenen Gulet herumschippern lassen. Oder sich einfach an den Strand des Hotels legen, was hier einer ständigen Verführung gleichkommt. Er ist feinsandig, nicht steinig und kieselig wie in Bodrum, seine Farbigkeit ist von karibischer Güte. Feyza hat vor ein paar Jahren in Bodrum gelebt, als der Trubel noch gemäßigt war, sie mochte es, dass sie ihre Nachbarn kannte, einfach vom Grüßen auf der Straße. Das sei aber schon lange nicht mehr so.

Das Leben eines Mannes, der als türkischer Elvis gilt

Wer weiß, wie Zeki Müren denken würde, wenn er noch leben würde? Der Schlagerstar unterhielt seit 1980 in der Nähe zur Strandpromenade eine Ferienvilla in Würfelform, in der er viel Zeit verbrachte. Heute ist sie eine Museum gewordene Homestory, die anrührend und plüschig zugleich vom Leben eines Mannes erzählt, der als türkischer Elvis gilt. Nur dass er sich gern einen stark femininen Anstrich gab, für den Glitzerfummel und Plateaustiefel nicht genug waren. Auch die Nägel mussten lackiert und das Haar toupiert sein. Müren machte es zu seinem Markenzeichen, sich uneindeutig zu geben, was sein Liebesleben betraf.

Wer durch seine Villa streift, was vor allem junge Pärchen gern tun, der entdeckt ein Sammelsurium von Möbeln und Musiktruhen aus den Sechzigern, Glasvitrinen mit Bühnenkostümen und allem Chichi, das der Künstler brauchte, um sich in Form zu fühlen. Ein kärgliches Trimmrad gehört dazu, ein Blutdruckmessgerät und das Porträt seiner Mutter im Schlafzimmer mit rosa Chippendale-Bett. Aber auch goldene Schallplatten, wändeweise Fotos des Stars und Zeitungsberichte, die über sein Alter orakeln, um das er ein ebensolches Geheimnis machte wie um seine Sexualität. Sein Irrlichtern zwischen den Geschlechtern ist noch heute Vorbild für junge Türken, die sich nicht trauen, ihre Homosexualität zu leben, oder es bereits tun.

Für Ayşe Arslan, die lange in Deutschland gelebt hat und jetzt frisch verheiratet ist mit Mahmut, ist der Besuch im Müren-Haus ein Muss. Neugierig inspizieren die Frischvermählten auch die kleinste Kleinigkeit aus der Glamourwelt des Nationalhelden. Wenn alles gut geht, wollen Ayşe und ihr Mann sich in Bodrum niederlassen.

Die Atmosphäre im Haus, die Atmosphäre draußen, das alles gibt ihnen das gute Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Einem Platz, der anders ist als der Rest ihres Landes, Istanbul vielleicht einmal ausgenommen. Ein Platz, der genauso wenig eindeutig ist wie Zeki Müren. Der auch anders sein kann als schön, der aber immer besonders ist: Sein Daseinszustand mischt sich aus Natürlichkeit und Übertreibung.

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Promotion
Autor
Judka Strittmatter