Asien

Usbekistan Minarette und Melonenkörbe

Bibi Chanum Moschee in Samarkand
  
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Minarette und Melonenkörbe, Kamele und Derwische – die Motive der Seidenstraße finde ich wieder in der Tonwerkstatt von Naydar Botyrow am Rand der Altstadt von Samarkand. Im Atelier steht auch ein roter Diwan, auf dem der Meister gern ein Nickerchen hält. Arbeiten kann er nur, sobald ihn ein kreativer Schub überkommt, und sei es zwei Uhr nachts. „Wenn die Seele leer ist, wird die Arbeit nicht gut“, sagt Naydar. Läuft aber alles gut an seinem rustikalen Tonkranz, „arbeiten Hände und Füße, als gehören sie nicht zu mir“.

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Ausnahmsweise darf ich mich als Frau an seine Werkbank setzen und einen Klumpen Ton bearbeiten – Allah mag’s vergeben. Großspurig nehme ich mir vor, einen Becher zu formen. Aber ich bringe bloß ein eiriges Gefäß zustande, das höchstens als eigenwilliger Kerzenständer durchgeht. Naydar empfiehlt mir ein Schläfchen. Doch ich suche Inspiration lieber draußen und verlasse seine Werkstatt mit dem warmen Gefühl, dass die Usbeken das Herz auf dem rechten Fleck haben.

Weitläufige Wüsten, Steppen und Baumwollfelder: so prachtvoll die Städte glitzern, so karg erscheint die Landschaft dazwischen. Nach dieser Eintönigkeit erscheint mir die nächste Stadt umso prächtiger: Die Bauten Bucharas stammen größtenteils aus dem 16. Jahrhundert, könnten aber genauso gut auch 2000 Jahre alt sein. In den Gassen bieten Juweliere, Münzenmacher und Teppichweber ihre Waren an. Neben dem Labi-Hauz, einem antiken Wasserbecken, soll sich einst eine Karawanserei befunden haben. Heute siedeln hier trubelige Teestuben, im Hintergrund blitzen wieder die türkisfarbenen Majolika-Kacheln von Medresen und Moscheen.

Reisetipps

Hinkommen: Für die Einreise ist ein Visum erforderlich. Die Botschaft Usbekistans stellt es innerhalb weniger Tage aus. Anschrift: Perleberger Str. 62, 10559 Berlin, Tel. 030/3 94 09 80.

 

Reisezeit: Am schönsten sind Frühjahr und Herbst mit angenehmen Temperaturen. Im Hochsommer kann es sehr heiß werden.

 

Allgemeine Informationen: Fremdenverkehrsamt für Usbekistan in Frankfurt am Main, Tel. 0 69/91 39 80 77

Deutlich neuzeitlicher gibt sich Usbekistans Hauptstadt Taschkent. Außerhalb der Altstadt finden sich von Platanen gesäumte Alleen, gläserne Bankhäuser stehen neben den Plattenhotels aus Sowjetzeiten. Störche picken in den Blumenbeeten herum. Überall sehe ich das „weiße Gold“ Usbekistans, die Baumwollpflanze, die als Glücksbringer verehrt wird. Fast jeder Autofahrer klemmt einen Blütenzweig an seinen Rückspiegel. In Stein oder Plastik verewigt, entdecke ich die imposante Blüte als Häuserfries, auf Verkehrsinseln und als Tischdeckenmuster im Restaurant „Al Aziz“. 

Mutter und Sohn leben auf 28 Quadratmetern

Da sitze ich mit Georgiy, meinem 23-jährigen Guide, im Hauptberuf Elektroingenieur. Wir bestellen Plow, das Nationalgericht aus Reis, Möhren, Fleisch und Zwiebeln. Georgiy erzählt, dass er gern viel mehr reisen würde, doch bisher war er nur in Kasachstan. Umso neugieriger ist er auf Berichte aus Europa und lädt mich zum Abendessen bei seiner Mutter ein.

Nervös klingelt sie den Sohn mehrmals auf dem Handy an und fragt, was sie dem deutschen Gast zubereiten solle und ob ihre Wohnung gut genug sei. „Sie will alles richtig machen“, sagt Georgiy und lächelt. Gastfreundschaft bedeutet in Usbekistan sehr viel, und für den Fremden würde man das Letzte geben.

Tempel Kiyomizu Dera

Als ich ankomme, empfängt mich Essensduft – Mama Agrinnskaja, eine herzliche Frau, brutzelt seit Stunden. Mutter und Sohn leben auf 28 Quadratmetern, jetzt wuseln hier auch Georgiys Schwester Lena und deren Tochter herum, die um die Ecke wohnen. Wir essen Teigtaschen mit Sahne, so köstlich und üppig, dass ich selbst nach Wodka frage. Und wir reden über alte und neue Zeiten. Mama Agrinnskaja, wie viele Ältere, fand es früher besser, weil’s sicherer war. Die Arbeit, die Straßen, die Zukunft. Georgiy und Lena zucken bloß die Schultern. Sie werden ihren Weg machen. Doch egal, was kommt, ohne Kunst und Kultur können die Usbeken nicht leben. Sogar in dieser engen Stube steht ein Klavier. Lena holt aus den Tasten alles raus – als Ständchen für mich. Spätestens jetzt hat Usbekistan mich gekriegt – und meine Seele verzaubert.  

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Autor
Vital