Südafrika

Go West! Südafrika-Roadtrip entlang der Westküste (Tag 1-2)

Roadtrip Südafrikas Westküste
  
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Die Ankunft

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Bed & Breakfast: Parker Cottage, 3 Carstens Street, Kapstadt-Tamboerskloof (10 DZ, 1 Familiensuite, ab 100 Euro pro Zimmer). www.parkercottage.co.za

Hängebrücke entlang der Garden Route
Als wir nach dem langen Flug in Kapstadt ankommen, sind uns zwei Dinge klar: Wir wollen auf eigene Faust im Auto das Land entdecken, und wir wollen das genießen, also bloß kein Stress. Deswegen beginnt unser Roadtrip mit einem Begrüßungsbier und einer Änderung im Plan. Tomas Kucer, unser Gastgeber im zauberhaften "Parker Cottage", hat nämlich nicht nur ein Bone-Crusher-Weizenbier perfekt temperiert griffbereit, er hat auch eine gute Idee: "Lasst doch das Auto stehen und geht zu Fuß in die Bree Street, heute wird dort wie jeden ersten Donnerstag im Monat die Lange Nacht der Galerien gefeiert. Das ist etwas, das aus Berlin nach Kapstadt gekommen ist." Also bleibt der Mietwagen vor dem Bed & Breakfast im viktorianischen Stil in der Carstens Street. Dafür nehmen wir uns gleich noch ein Bier. "Bedient euch selbst", sagt Tomas, "neben dem Kühlschrank liegt eine Strichliste."

Tag 1

Route: Camps Bay >Tafelberg Nationalpark >Waterfront > Table View >Bloubergstrand > Melkbosstrand

Kilometer: 47 Kilometer (M6, R27) Highlights: Tafelberg, die Dünen, der feine Sand, die Kitesurfer,
der Sonnenuntergang

Bed & Breakfast: The Beach Villa, 43 Harold Ashwell Blvd, Kapstadt- Melkbosstrand (6 DZ, 2 Suiten
DZ ab 30 Euro pro Person). www.beachvilla.co.za

Soundtrack: Boy: Drive Darling

"Das perfekte Ferienhaus nicht weit vom Strand" steht auf einer der Karteikarten im Schaufenster des Immobilienmaklers in der Victoria Street. "Entertainment-Poolzimmer, Horizontalpool, Tandemgaragen für vier Autos, pflegeleichter Garten, Brunnen, Fischteich", verspricht das Exposé, "und Ihre Gäste wohnen im separaten Apartment." Nicht zu vergessen, die vielen Schlaf-, Wohn- und Arbeitszimmer.

Camps Bay zählt unter den Nobelvierteln Kapstadts zum Nobelsten, kein Haus unter einer Million, vielleicht auch zehn, die Zahlen gedeihen gut unter der hellen Sonne. Der Rand fällt, die Immobilienblase steigt. 17 Millionen (umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro) soll das perfekte Ferienhäuschen kosten. Die Deutschen, heißt es, fühlten sich in Camps Bay pudelwohl. Gut möglich: Selbst die Bordsteinkanten der Nebenstraßen sind akkurat gezogen, die Hinterhöfe aufgeräumt. Die Uferpromenade glänzt wie zu Queen Victorias Zeiten, fünf Lifeguards überwachen morgens joggenderweise erst die eigene Fitness, dann behalten sie die Strandliegen, die Sonnensucher und das Meer im Auge.

Südafrika Leserreise
Camps Bay mitsamt dem imposanten Tafelberg im Rücken – ein Ausgangspunkt, wie er besser nicht sein könnte für unsere Tour. Wir drehen die Musik lauter auf, unser Song für diesen Tag passt perfekt:

You close the door
and start the motor
I roll the window down
I raise my hand and wave goodbye

– Boy: Drive Darling –

Immer den Atlantischen Ozean zu unserer Linken, den Lion‘s Head im Rückspiegel cruisen wir über die Küstenstraße M 6. Durch Green Point, vorbei an Kapstadts Waterfront und dann geht’s schon hinaus aus den sehenswerten Vierteln in die graue Vorstadt. Das erste Tagesziel gehört geografisch sogar noch zu Kapstadt – der Beach Boulevard in Table View, genauer: Bloubergstrand.

68! Achtundsechzig Lenkdrachen zählen wir am Himmel, 68 Kunststofffetzen in allen Farben des Regenbogens. Hingetupft über den Horizont wie Kleckse auf einer Leinwand. Der Wind ist fein, aber nicht frisch, die Bedingungen, sagen wir mal, sportlich, garantiert nichts für Anfänger, denn diese neun bis zwölf Quadratmeter großen Schirme entwickeln eine gewaltige Kraft – wie Figuren aus der Augsburger Puppenkiste lupft der Auftrieb durchtrainierte Kerle aus dem Wasser. Fünf, acht, zehn Meter hoch. Vor der Silhouette des Tafelbergs sehen wir Männer, die an Schirmen hängen und Männer, die auf Schirme starren. Die einen richten ihre Drachen im Wind aus, peitschen über die Wellen. Sie gleiten, sie springen, sie fliegen. Faszinierend. Und die Zuschauer sehen alle aus, als würden sie es rasend gern selbst ausprobieren. Aus der sicheren Distanz wirkt es spielerisch leicht.

"Platboombaboon", so nennt Leser-Fotograf Christian Musolff sein Foto mit Pavian (englisch "Baboon"). Aufgenommen wurde es im Januar 2007 in Kapstadt, an einem Strand in unmittelbarer Nähe des berühmten Kaps der Guten Hoffnung, auch "Platboom" genannt.
Abends, beim Drink in der Cocktailbar mit dem Zungenbrechernamen "Pakalolo", fragen wir neugierig nach. Einer sagt: "Es ist magisch. Es ist, als wärst du schwerelos und könntest fliegen." "Ja", versichert ein anderer, "es kommt mir immer wieder surreal vor. Aber ich stehe, verdammt noch mal, auf dem Wasser. Ich schwebe schwerelos."

Ein Sport wie ein Geschenk des Himmels. Für die, die ihn treiben. Und die, die dabei zusehen.

Tag 2

Route: Melkbosstrand >Mamre > Darling >Yzerfontein

Kilometer: 85 Kilometer (R27, R307, R315, teils Asphalt, teils Dirt Road)

Highlights: !Khwa ttu, die Mamre Moravian Church der "Herrnhuter Brüdergemeine", Darling Brewery, 16 Mile Beach Bed & Breakfast: !Khwa ttu Guesthouses, R27 West Coast Road, Yzerfontein (2 Guesthouses, 1 Bushhouse, ab 60 Euro pro Person, Bushcamp mit 5 Zelten ab 25 Euro pro Person) www.khwattu.org

Soundtrack: Alma: Dye My Hair

Über staubige Straßen machen wir einen Abstecher ins Landesinnere. Nach Mamre, wo vor gut 200 Jahren zwei Missionare der sächsischen "Herrnhuter Brüdergemeine" ein Pfarrhaus, eine Schule, ein Backhaus, eine Kirche und später eine Wassermühle errichteten. Sie verwandelten damit einen winzigen Außenposten der weißen Siedler auf dem Land der Khoisan in eine Missionsstation ihrer "Moravian Church".

Es ist Samstag, drei Beerdigungen stehen heute auf dem Programm der Dorfbewohner. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt. Es wird laut gesungen und leise getrauert. Wenig später zieht der Prozessionszug, angeführt von drei Trompetern, den Hügel hinauf zum Friedhof. Auf dem gemauerten Torbogen am Eingang steht in Großbuchstaben ein Vers in Afrikaans: "Ek is die Opstanding en die Lewe" – "Ich bin die Auferstehung und das Leben". Bis zum Ende der Apartheid haben hier, wie überall in Südafrika, die Weißen über Leben und Tod entschieden.

Wir bleiben noch ein wenig unter dem angeblich 150 Jahre alten Baum mit den dicken Luftwurzeln sitzen, nippen an einem Rooibostee, als uns Johannes Oswald seine Aufwartung macht. Bis zur Pensionierung war er Friedensrichter von Mamre, heute gilt er als der Geschichtenerzähler des Dorfes. In der fünften Generation stammt er in direkter Linie von den Gründervätern seiner Gemeinde ab: "Der reichste Platz der Erde", sagt er, als er sich zu uns setzt, "ist der Friedhof. Dort ruhen die Geschichten der Menschen." Seine Ur-Ur-Großmutter, die auch dort oben liege sei eine Khoisan gewesen. "Die Verbindung zu einem weißen Siedler war ein absoluter Skandal. Mein Ur-Ur-Großvater musste sie verlassen, obwohl sie die Liebe seines Lebens war." Immerhin sei sie mit drei Ochsen und 30 Schafen entschädigt worden, die ihr das Überleben sicherten. 

Die Khoisan waren einst in zwei Stämme gespalten, die Khoi arbeiteten als Hirten, die San im südlichen Afrika lebten dagegen in der Regel als Jäger und Sammler. Wir sind inzwischen eine halbe Stunde weiter Richtung Norden gefahren, nach !Khwa ttu. In der Sprache der San wird !Khwa ttu mit einem Klicklaut gesprochen und meint "Wasserloch". Rund um dieses Wasserloch unweit von Yzerfontein führen heute 30 San eine Farm samt Guesthouse und Restaurant und beaufsichtigen diverse Trails.

Das hügelige, staubtrockene Hinterland ist ein Abenteuerspielplatz für Fußgänger und Mountainbiker. 15 000 Besucher, so erzählt man uns, würden jährlich vorbeischauen und sich den "San-Spirit" erklären lassen. Castro, unser Guide, zeigt uns, wie San Spuren lesen, wie San Fallen stellen und wie San Feuer machen. Und erzählt, wie junge San-Männer jungen San-Frauen zeigen, dass das Feuer der Leidenschaft in ihnen brennt. Castro gibt sein Bestes, aber es ist alles ein bisschen zu bemüht, um wirklich zu überzeugen.

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Promotion
Autor
Hansjörg Falz