Namibia

Namibia Deutsche Spuren in Windhuk, Swakopmund und Lüderitz

Wer in Namibia das Deutsche sucht, wird es in den Städten finden. Zwischen Bismarckstraße, Kaiserhof und wilhelminischen Fassaden grüßt man sich noch mit "Wie geht’s?". Und doch ist die Zeit des alten Deutsch-Südwestafrika endgültig vorbei. In Windhuk, Swakopmund und Lüderitz wächst eine Generation heran, die sich um Hautfarbe und Herkunft nicht schert.
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Nicht jetzt, nicht morgen, aber vielleicht in zwei Generationen wird alles nur noch Erinnerung sein. Verankert in den Geschichtsbüchern. Erstarrt in der Architektur. Verpackt in Bildern und Ausstellungen, bewahrt in den Überlieferungen, den Familienstammbäumen, der vagen Verbindung zu einer Kultur, die schon lange nicht mehr die eigene ist. Irgendwann werden die Städte Windhuk, Swakopmund, Lüderitz, die Ende des 19. Jahrhunderts von den Deutschen in Namibia geschaffen wurden, diese Manifeste der Sehnsucht nach der deutschen Heimat, diese Stein gewordenen Abgrenzungen gegen das Buschland, die Wüste, einfach nur Städte in Afrika sein. Mit allem, was diesen eigen ist. Dem Guten: gemischte Kulturen, sprachliches Konglomerat, Vielfalt der Ideen und dadurch Dynamik, Toleranz und gegenseitige Inspiration. Und dem Schlechten: Arbeitslosigkeit, Verfall, Kriminalität und ein Ringen darum, seinen eigenen Platz zu behaupten.

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Aber: Wer das Deutsche will in Namibia, kann es heute noch haben. Im "Café Anton" in Swakopmund zum Beispiel. Erst das halbe Mettbrötchen, dann die Schwarzwälder Kirschtorte und dazu ein Kännchen Kaffee, alles in einem Ambiente wie in Großmutters Lieblingscafé in den 1970ern. Dahinter rauscht der Atlantik. Der Wind weht immer ein wenig zu kalt, so, als wäre auch er aus Deutschland gebracht, um dieser afrikanischen Hitze etwas entgegenzustellen. Oder in der Heinitzburg in Windhuk, 1914 vom Grafen von Schwerin erbaut. Stolzer Blick von weit oben auf die Stadt, Zinnen und Türme – ein Feldherrentraum. Im "Andy’s", einer Kneipe mit St.-Pauli-Fahne, wird angeblich auch schon mal das Horst-Wessel-Lied gesungen. Straffrei, versteht sich. Letztes Beispiel: das Goerke-Haus in Lüderitz, aus Liebe zu einer Frau vom Erbauer elegant bis ins Detail geplant. Feinstes poliertes Holz, Klöppelspitzenkissen und Raffgardinen. Doch der Blick aus den Fenstern zeigt kalte Wellen, windgetauchte Häuser und bis zum Horizont die Endlosigkeit der Namib-Wüste – die Frau hielt es nicht aus. So ging das Paar zurück nach Deutschland, ihr Haus ist zu besichtigen, Relikt einer längst vergangenen Zeit.

Doch wer nur das Deutsche sucht, der verpasst alles, was dieses Land in seinem Wesen ausmacht. Namibia – in seinem Kern, seinen Traditionen – ist zutiefst afrikanisch. Sonnengelb und ockerfarben, meeresblau und von sandigem Gold, tiefgrün, sommergrün, maigrün und dort, wo uralte Vulkane ihre Lava ausspuckten, von öligem Schwarz. Ein Land von scheinbar endloser Weite, von mächtigen Flüssen durchzogen, mit einer der trockensten Wüsten der Welt, mit rötlichen Bergen, dort, wo eine Urgewalt die Erde in Falten gelegt hat. Land der Himba, der San, der Nama, Herero und Ovambo, die ihre Gedanken und Träume in den Sand und auf Felsen malten, ihre Fußspuren hinterließen und die Natur lesen konnten, sehr lange bevor irgendein Deutscher dort an Land ging.

Mag sein, dass die Weißen die Städte begründeten, die Grundlage für Wirtschaft und Entwicklung legten – die Seele des Landes eigneten sie sich nicht an. Sie ist bis heute verborgen in den Riten der Ureinwohner, in den Geheimnissen der Steine und Bäume, in den Wegen der Tiere. Namibia, das ist ein bleichblauer Himmel über einer Welt voller Abenteuer und Herausforderungen, in der die urbane Zivilisation, geschaffen aus Angst vor dem Ungebändigten, eher störend und fremd wirkt.

Was vom Deutschen übrig blieb, ist zunächst der Eindruck, hier sei ein Deutschland bewahrt worden, das im wahren Deutschland längst untergegangen ist. Eine in Plexiglas gegossene Vergangenheit. Dieses Militaristische: Kriegerdenkmäler für Krieger, die eher Abschlachter waren. Dieses Nationalistische: deutsche Schulen, deutsche Kirchen, deutsche Gerichtsbarkeit. Dieses Präzise: Pünktlichkeit, Rasenkanten, der organisierte Massenmord an den Herero.

Die neuen Namibier: stolz auf ihr freies und schönes Land

"Guten Tag, wie geht es Ihnen?", grüßt man sich in den Läden von Windhuk, auf den Straßen von Lüderitz und Swakopmund. "Guten Tag", sagen der weiße Buchhändler, der Schuster, dessen Vorfahren aus Indien kamen, sagt der schwarze Kellner. Der trägt blütenreine Handschuhe zum livrierten Rock und geht so gerade, als hätte ihm deutsche Zucht das Rückgrat versteift.

Doch der erste Eindruck ist eine Täuschung. Längst, spätestens seit der Unabhängigkeit Namibias 1990, ist alles im Wandel, und der Wandel nimmt zurück, was niemand vermissen wird, allenfalls ein paar Gestrige. Überall im Land findet man die neuen Namibier, die vieles sein wollen, nur keine Südwester mehr. Menschen, die deutsch sprechen, als Kinder zur deutschen Schule gegangen sind, aber nicht deutsch denken. Die einstigen nationalen Abgrenzungen sind aufgeweicht. Die Wirklichkeit, die in Namibia natürlich eine afrikanische ist, hat das Deutsche infiltriert, es verfremdet oder ist dabei, es sich einzuverleiben – auf dass es sich neu erfinden muss.

Christuskirche in Windhuk, Namibia
Gregor Lengler
Nationaldenkmal: die Christuskirche in Windhuk
Windhuks Zentrum, das Kerngebiet der kolonialen Besiedlung, ist erstaunlich klein und von einem architektonischen Durcheinander. Von dort hat sich die Stadt längst in alle Richtungen ausgebreitet, hat sich um das Deutsche herumgelegt, es überrannt und überragt. Noch vor 50 Jahren lebten rund 60000 Menschen in der Hauptstadt, die meisten waren weiß, heute sind es nach offiziellen Schätzungen 325 000 Bewohner, und wie viele davon weiß sind, das weiß man gar nicht mehr genau. Die Kaiserstraße heißt inzwischen Independence Avenue, und aus der Leutweinstraße wurde die Robert Mugabe Avenue. Dass der ehemalige Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika durch den Diktator Simbabwes ersetzt wurde, der in seinem Land die Ndebele niedermetzelte, erzählt viel über die politische Bigotterie des südlichen Afrikas. Das Reiterdenkmal der kolonialen "Schutztruppen" wurde an eine weniger exponierte Stelle versetzt. Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, dann soll es ganz verschwinden und viele andere deutsche Straßennamen dazu.

Die Kaiserstraße in Windhuk heißt längst Independence Avenue

Wie der harte Stein vom weichen Wasser gebrochen wird, so hätte in der afrikanischen Wirklichkeit auch das Kolonial-Germanische dem wuchernden Wachstum der Stadt nicht standgehalten. Hätte es sich nicht biegsam gemacht, und wäre es nicht durchlässig geworden. Aus dem Südwester-Deutsch zum Beispiel ist Nam-Släng geworden, ein Mischmasch aus Deutsch, Englisch, Afrikaans und einigen Wörtern der Ovambo-Sprache. Schon gibt es ein Wörterbuch dafür: "Nam-Släng – Deutsch". Geschrieben hat es Eric Sell, genannt Ees. Der 26-Jährige stammt in fünfter Generation aus einer Südwester-Familie. Ein Musiker, Designer, Erfinder eines Fitnessdrinks, ein Hansdampf in allen Gassen, nicht nur in denen von Windhuk, sondern auch in Köln, wo er zeitweise lebt, seit er beschlossen hat, seine Musik nach Europa zu bringen.

Sell ist ein Grenzgänger, jemand, der das Mischen und Verbinden der verschiedenen Kulturen nicht als Verlust des Eigentlichen, sondern als Zuwachs des Möglichen ansieht. Seine Musik bedient sich bei Hip-Hop, Rap, Techno – und beim afrikanischen Kwaito, einer Musikrichtung, die in der Endphase der Apartheid in den Townships entstand und die Ees nach Deutschland gebracht hat. Solche Grenzgänge, musikalisch und kulturell, mögen für die Generation seiner Eltern noch eine wacklige Angelegenheit gewesen sein, für Sell sind sie ein Tanz der Leichtigkeit. Seine Musik, die Lebenslust, Spaß und Freude vermittelt, entspringt dem namibischen Leben, die Disziplin, die ihn zu schnellem Erfolg brachte, den europäischen Werten. Sell hat mit seinem Nam-Släng-Wörterbuch zugleich ein Protokoll der namibischen Jugend geschrieben, eine Ode an die Freiheit zwischen Busch, Strand und Wüste, ein lakonisches Plädoyer für ein entspanntes Miteinander. Und hat damit das unter seinen Maats, den Nam piehpels, (seinen Freunden, den namibischen Leuten) als spießig und altbacken verpönte Deutsche wieder hip gemacht.

Zu einem Revival des Deutschen, namibisch verwandelt, trägt auch Hitradio Namibia bei. Seit 2012 sendet der einzige deutschsprachige Privatsender in Afrika in Windhuk und einigen anderen Teilen des Landes. Das Programm: Schlager, Nachrichten und Comedy, eingebettet in eine patriotische Betrachtung der Abenteuer und Schönheiten, die Namibia zu bieten hat. Mitbegründer und Moderator ist Wilfried Hähner, Namibiadeutscher, ehemals Banker, der aus reiner Lust am Radiomachen zum Hörfunk kam. "Wir haben Hörer in Deutschland, die einfach verknallt sind in Namibia, und wir haben Hörer, die kein Wort Deutsch verstehen, die verknallt sind in unser Programm, weil es so eine coole Mischung aus Spaß, Musik und Namibia-Begeisterung ist." Für Hähner braucht ein Sender wie seiner zwar die deutsche Sprache, aber kein deutsches Bewusstsein. "Windhuk ist bunt, alles mischt sich hier, das ist die schöne Seite dieser Stadt. Es dauert vielleicht noch eine Generation, bis man nicht mehr fragt: Bist du Deutscher, bist du Namibier, bist du weiß, bist du schwarz? Aber der Wandel kommt. Er findet hier jeden Tag statt."

Bunte Straßenecke in Swakopmund
Gregor Lengler
Bunte Straßenecke in Swakopmund

Rund fünf Stunden Autofahrt, 360 Kilometer, liegen zwischen Windhuk und Swakopmund. Irgendwann entlang der Strecke, kurz hinter dem Städtchen Okahandja, fällt die Temperatur abrupt um mehr als zehn Grad, und ein Schild informiert, man sei jetzt auf dem Trans-Kalahari-Highway. Die Landschaft wird weit, unbehaust, gerade so, als hätte das Land sich endgültig von allen Spuren der Zivilisation befreit. Und plötzlich ist man in einem Freilichtmuseum deutscher Kolonialarchitektur. Swakopmund – 1892 vom Hauptmann Curt von François als Hafenstadt für die deutschen Einwanderer begründet, von einem Mann namens Friedrich Holt mit Fachwerkarchitektur bebaut. Die Straßen heißen Bismarckstraße und Bahnhofstraße, die Häuser Haus Hohenzollern, Haus Wille, Kaiserhof, Altes Amtsgericht, und einen ganzen Stadtspaziergang lang ist man wie erschlagen von der verwirrenden Mischung aus Kaiserzeitromantik und Spießbürgerlichkeit, dem Heranrauschen des Atlantiks und dem so betörenden Blick auf die honigfarbenen Dünen vor der Stadt. Man ahnt, welch Mühe und Willen es gekostet haben muss, hier, wo die Natur so ungezähmt ist, ein deutsches Musterstädtchen aufzubauen, sich den Weltmachtträumen hinzugeben und dem Ungezähmten mit Torten, Brötchen, Bier nach Reinheitsgebot und deutscher Literatur zu trotzen.

Wo Knödel und Kolonialstil touristisches Kapital sind

In Swakopmunds Innenstadt heißt das Shopping Center noch Einkaufszentrum. Das städtische Veranstaltungsprogramm kündigt einen Vortrag zum Thema Tollwut in Namibia mit besonderem Bezug auf die Kudu-Antilope an. Im Antiquariat Peter’s Antiques liegt Margarethe von Eckenbrechers "Was Afrika mir gab und nahm" und ein Band zu Eingeborenenkulturen aus, dazu Münzen und Ansichtskarten aus der Zeit von Deutsch-Südwest. Die Swakopmunder Buchhandlung gibt es seit 1910, drinnen riecht es nach frischem Papier und Bleistiften. Und im "Café Treff" steigt dem Gast der Duft von Buttergebäck und Mohnbrötchen in die Nase. Laut ist es nur im Georg-Ludwig-Kindergarten, 57 Kinder spielen hier, Namibiadeutsche, Damara, Afrikaner, sogar Chinesen sind darunter. Die Haussprache ist deutsch, die Kindergärtnerin Ulrike Bollinger auch. Sie kommt aus Rostock, landete vor zehn Jahren der Liebe wegen in Swakopmund und sagt, es gehe in dem Kindergarten nicht nur um den Erhalt der Sprache, sondern auch um den Erhalt der Kultur sowie des evangelisch-lutherischen Erbes. "Diese Kultur stirbt langsam, da müssen wir gegenhalten. Wir vermitteln Tradition und Bräuche, das lassen wir uns nicht schlechtreden."

Swakopmund ist gewachsen. Um den alten Kern herum sind riesige Ferienhausviertel entstanden. Außerhalb der Saison sind die Häuser vereinsamt, mit verrammelten Läden und rot leuchtenden Alarmanlagen neben den Haustüren. Hochsaison ist im Dezember, dann wird Swakopmund, werden Wüste und Strand eine einzige Partymeile, ein Paradies aus Lagerfeuer, Boerwurst und Bierdosen im Sechserpack. Dann fliehen die Windhuker vor der Dezemberhitze hierher, alte Freunde und Cliquen treffen sich wieder, und für 14 köstliche Tage ist Swakopmund lebendig und gegenwärtig.

Evangelisch-lutherische Kirche in Swakopmund
Gregor Lengler
Evangelisch-lutherische Kirche in Swakopmund
Dieses Gefühl von Jugend und Freundschaft ist es, was Andreas Vogt mit Swakopmund verbindet. Vogt, geboren 1962 in Swakopmund, hat in Deutschland studiert. Er ist promovierter Kulturwissenschaftler, Kenner der namibischen Historie und dazu noch Buchautor. Er lebt in Windhuk, doch Swakopmund ist ihm der Ort aller Sehnsucht nach Heimat. In diesen Tagen hält er in der 45 000-Einwohner-Stadt einen Vortrag zum 100-jährigen Bestehen der Seebrücke. Hitradio Namibia hat die Feier übertragen, der Swakopmunder Männergesangsverein gesungen. Nun sitzt Vogt im "Café Anton", erzählt von dem Laden seiner Großmutter und von Kinderspielen mit den Söhnen der Ovambo-Angestellten. Das Meer der Spielplatz, die Wüste der Hinterhof. Erst viel später begriff sich Vogt als Glied einer Kette von Namibiadeutschen und begann die Historie zu erforschen: die des Landes, die der Familie. Begeisterte sich an geschichtlichen Details, nicht aus Verliebtheit in die Vergangenheit, sondern aus Hingabe an das, was übrig blieb. Weil es zwar bröckelt und schwindet, aber in seinem Kern beständig ist.

Ein Freilichtmuseum, in dem das echte Leben spielte

Für Vogt ist das Heute, die Zeit, in der Namibia kulturell und wirtschaftlich im Umbruch ist, eine Parallele zu jenen frühen Tagen der ersten Besiedlung, als es gelang, am Saum der Wüste Kultur aufzubauen, Geld zu verdienen. "Wir Bunte Reihe: Die historischen Häuser in der Lüderitzer Bergstraße leuchten in allen Farben. Sie entstanden um 1900 Lüderitz: Warten auf den großen Aufschwung brauchen heute wie damals wieder Pioniergeist, wir müssen die Dinge voranbringen, nicht im Gestern verharren, als läge darin die Rettung."

Lüderitz kann man mögen oder nicht, begreifen lässt sie sich ohnehin nicht, diese aus der Zeit und irgendwie auch aus der Geografie gefallene Kleinstadt im Würgegriff des Diamanten-Sperrgebiets. Eingeklemmt zwischen Meer und Wüste wirkt die Stadt, als nähme man ihr Raum und Luft, zerzauste sie dazu mit Wind und Nebel. Doch wenn die Sonne scheint, dann badet sie Lüderitz in Licht, wie ein gigantischer Heiligenschein liegt es über der Felsenkirche und den Dächern der Häuser. Vieles hier ist rückläufig: die Fischereiquote, die Touristenzahlen, das Geld, das sich in der Stadt verdienen lässt. Knapp 13.000 Menschen leben hier, die Arbeitslosenquote liegt bei 60 Prozent, die ehemaligen Fabriken verfallen, Mehrheit und Macht der Weißen sind längst passé. Nur die Wüste arbeitet sich jeden Tag vor, kriecht über die Straße und die neu gelegten Bahngleise, die Lüderitz mit dem 113 Kilometer entfernt gelegenen Aus und via Aus mit Windhuk verbinden sollen.

Lüderitz: Warten auf den großen Aufschwung

Für Heinz Mann ist der Untergang der Stadt zugleich die Auferstehung. Mann wurde in Lüderitz geboren, fuhr als Kind mit dem Fahrrad hinaus nach Kolmannskuppe, an den Ort des einstigen Diamantenrausches. Sein Laden für Büromaschinen und Schreibwaren läuft, aber könnte besser laufen, deshalb bietet er Fahrten für Touristen an, weit draußen in den Koichab-Dünen, jenseits von Lüderitz. Offshore-Adventure mit Übernachtung. Er ist nicht der Einzige, der versteht, dass Lüderitz, vor allem aber das deutsche Lüderitz, bedeutungslos geworden ist, und wenn man profitieren will vom Namibia-Tourismus-Boom, dann muss man promoten, was die Umgebung bietet. "Wir sind nicht Swakopmund. Das Deutsche spielt hier keine Rolle mehr. Und wir haben mehr zu bieten als erstarrte Geschichte. Lüderitz liegt inmitten einer grandiosen Natur."

Auf einer Landspitze steht das "Nest", das größte Hotel der Stadt. Dort leistet man sich seit zwei Jahren einen PR-Manager aus England, der den touristischen Aufstieg von Lüderitz vorantreiben soll. Ulf Grünewald, "Nest"-Direktor, hat in seiner Schreibtischschublade Baupläne liegen: Entwürfe für eine neue Waterfront und den Umbau der alten Industriegebäude. Einen Teil der Universität will man in die Stadt holen, ein Marinemuseum einrichten. Die Pläne sind nicht mehr frisch, die Mühlen mahlen langsam in Lüderitz, aber eben auch beharrlich. "Vielleicht dauert es noch ein paar Jahre", sagt Grünewald, "aber der Aufschwung wird kommen".

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Promotion
Autor
Andrea Jeska