Marokko

Reisen mit dem Wohnmobil Road Trip von Bremen bis Marokko

Immer an der Küste entlang – das war nahezu die einzige Bedingung für den achtmonatigen Road Trip dieser beiden Reisenden. Mit dem Wohnmobil von Bremen bis Marokko und zurück sind sie gefahren. Ein Interview über die Suche nach dem perfekten Stellplatz und die Freiheit auf Rädern.
          
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Sie sind acht Monate von Bremen bis Marokko und zurück fast nur an der Küste entlang gefahren. Ich vermute, Sie surfen?
Mein Freund ist leidenschaftlicher Surfer. Ich habe zu viel Respekt vor dem Wasser. Aber wir beide sind verliebt in das Meer, er ins Surfen, ich in die Landschaft, und daher haben wir die Route auch nicht sehr lange geplant: Hauptsache entlang der Küste.

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Muss man eigentlich Hobby-Mechaniker sein, um auf so einer langen Strecke mit einem alten Bus unterwegs zu sein?
Wir sind es ein wenig geworden. Den 25 Jahre alten Bus haben wir kurz vor unserer Reise gekauft, und dann ging es gleich auf große Probefahrt. Einige kleinere Pannen wie ein undichtes Fenster oder eine kaputte Tür konnten wir selbst reparieren. In Portugal mussten wir unseren Bus allerdings gleich für eine ganze Woche in der Werkstatt lassen. Die Einspritzpumpe war kaputt.

Gab es einen Ort, an dem Sie gerne länger geblieben wären?
Am Anfang der Reise saßen wir mit vielen Reiseführern auf dem Schoß und haben lange Listen gemacht, wo wir unbedingt Halt machen müssen. Das war fast schon Stress. Es hat ein wenig gedauert, bis wir einfach nur die Augen aufgemacht haben und die Reiseführer beiseite gelegt haben.Im Nachhinein haben wir bereut, nicht länger in der Bretagne gewesen zu sein. Gerade die Halbinsel Crozon hat uns gut gefallen, wir waren nur vier Tage dort, wären wir doch bloß vier Wochen geblieben! Das holen wir im nächsten Frühjahr nach.

Gab es einen Ort, den Sie wiederum so schnell wie möglich wieder verlassen wollten?
Nein, den gab es eigentlich nicht. Hin- und hergerissen fühlte ich mich allerdings in Marokko. Zum einen ist es ein beeindruckendes Land mit kargen, weiten Landschaften, hohen Bergen. Zum anderen fühlte ich mich mit unserem roten Bus mit europäischem Kennzeichen und dazu als Frau oft beobachtet und etwas unsicher. Andererseits erlebt man an solchen Plätzen ja oft die größten Abenteuer.

Haben Sie sich sicher gefühlt?
Wir haben überwiegend wild gecampt und uns vor der Reise durchaus Gedanken gemacht, ob man die Türen richtig abschließen kann. Mein Freund hatte seinen Laptop und Kameraausrüstung dabei. In größeren Städten haben wir unsere Wertsachen in den Rucksack gepackt und hatten lieber ein Kilo mehr auf dem Rücken, als nach dem Ausflug vor einem ausgeraubten Bus zu stehen. Glücklicherweise haben wir keine Situation erlebt, in der wir Angst hatten. Außerdem steht man nachts selten alleine mit seinem Bus auf einem Platz.

Wie findet man denn gute Plätze?
Suchen und Finden heißt das Motto. An großen Stränden stehen meist schon fünf bis zehn Busse, wie ein kleiner Campingplatz. In der Hochsaison kommt allerdings oft die Polizei und räumt die Plätze. Dann sucht man sich kleinere, verstecktere Buchten. Im Zweifelsfall geht man auf den Campingplatz. Das ist preislich zwar etwas teurer, aber auch angenehm, mal ein Waschhaus und eine Waschmaschine zu haben. Einige tolle Stellplätze verraten wir übrigens auf unserer Website "gen Süden".

Was vermisst man, wenn man so lange im Bus unterwegs ist?
Vor allem Freunde, die man mal spontan auf einen Kaffee trifft. Das ist etwas anderes als wiederkehrender Smalltalk mit Fremden, denen man unterwegs begegnet. Man vermisst es auch, es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen und Tatort zu sehen – oder einfach eine Tür hinter sich zu schließen. Man ist halt immer zu zweit.

Haben Sie einen Beziehungstipp für reisende Paare?
Auf längeren Reisen tut es auf jeden Fall gut, sich seinen eigenen Raum zu schaffen. Bei uns war das recht einfach, da mein Freund viel Zeit mit Surfen verbringt. Ich habe oft die Umgebung erkundet, per Rad zu Fuß oder mit Joggingschuhen. Häufig trifft man auf andere Busreisende, bei denen ein Part - meist sind es die Mädels - wenig oder nicht surft und man unternimmt etwas gemeinsam.

Wird einem nicht auch mal langweilig?
Das Busleben kann schon eintönig werden. Irgendwann hat man alle dicken Schmöker gelesen und alle Fotos sortiert. Man hat im Bus alles dabei bis auf Wasser und Lebensmittel und ist nicht gezwungen sich fortzubewegen. Da kommt nach einer Weile schon mal die Frage der Sinnhaftigkeit des Ganzen ins Spiel.Bei uns hat es dazu geführt, eine Website zu gestalten.

Sie rufen auf der Seite dazu auf, an der Seite mitzuschreiben.
Auf gensueden.com veröffentlichen wir alle paar Tage einen neuen Artikel. Damit die Seite ordentlich weiter wächst, und es einen großen Fundus gibt, suchen wir Mitschreiber: Leute, die mit dem Bus, Auto oder Wohnmobil unterwegs sind und Erlebtes festhalten und Teilen möchten.

Was steht als nächstes an?
Unser Bus hat gerade vor zwei Tagen TÜV bekommen, worüber wir uns sehr freuen. Im Frühjahr fahren wir in die Bretagne.

Blog "gen Süden" sucht Mitschreiber

In dem Blog "gen Süden" von Katharina Nowack und Basti Funk kann man nicht nur über die Reise der beiden von Bremen nach Marokko nachlesen und Tipps für Stellplätze finden, sondern auch mitschreiben. Gesucht werden unter anderem Reisegeschichten und Adressen für schöne Schlafplätze.

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Autor
Bianca Schilling