Marokko

Marokko Treffpunkt Atlantik

Die Wehranlagen von Essaouira in Marokko.

Essaouira

Die große Festung ist der Star. Kein Tourist besucht Essaouira, ohne die gewaltigen Mauern und Wehrtürme am Atlantik zu fotografieren. Und schon vor mehr als 60 Jahren drehte Orson Welles hier einen großen Teil seiner Verfilmung von Shakespeares "Othello". Errichtet wurde der Bau ab etwa 1760 von Sultan Sidi Mohammed Ben Abdallah, um der Hafenstadt Agadir den Rang abzulaufen. Tatsächlich hatte Essaouira bald einen der wichtigsten Häfen des Landes - Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier 40 Prozent des marokkanischen Seehandels umgeschlagen. Neben der Festung laufen jeden Morgen die Boote der Fischer in den Hafen ein, und die Fischauktion beginnt: Barsche und Makrelen glitzern auf den Tischen, daneben liegen Tintenfische und Garnelen, am Himmel kreisen schreiende Möwen und warten darauf, dass etwas für sie abfällt. Am Abend braten dann Köche an Essensständen ganz in der Nähe die Fische und Meeresfrüchte und servieren
sie an kleinen Tischen vor ihren Buden.

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In den schmalen Straßen hinter der Festung zeigt Essaouira ein anderes Gesicht. Hier verkaufen zahlreiche Galerien die Bilder von Künstlern der Stadt. Szenen aus dem Leben der Nomaden und Berber sind beliebte Motive, mit kraftvollen Farben und modernen Techniken gemalt, gesprüht, gewischt. Kunsthandwerker schnitzen aufwendige Skulpturen aus Thuja, einem harten Holz ähnlich dem Mahagoni. Vielleicht haben der Handel und der jahrhundertelange Austausch mit Europa der Stadt ihr weltoffenes Flair gegeben, das auch Musiker seit Jahrzehnten anzieht: Bob Marley, die Rolling Stones und Jimi Hendrix haben sich hier gern niedergelassen, in ihrem Gefolge kamen in den 1970ern die Hippies und entspannten sich erst mal total - das kann man hier immer noch ganz gut. Die Musik bleibt ein starker Magnet: Viele Reisende kommen jedes Jahr im Juni zum Festival der Gnaoua, die ihre traditionelle westafrikanische Musik und ekstatischen Tänze aufführen. Zum Start zieht ein großer Festzug durch die Straßen.

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Ausflug nach Sidi Kaouki: 20 Kilometer südlich von Essaouira liegt das Dörfchen mit rund 120 Einwohnern, in dem Surfer in ihren Flipflops zum wunderbaren, langen Sandstrand hinunterschlurfen. Nah am Wasser steht das Mausoleum des heiligen Sidi Kaouki. Vor allem kinderlose Frauen kommen hierher und bitten den Heiligen, ihnen Nachwuchs zu schenken. Der Bus Nr. 2 fährt vom nordöstlichen Stadttor, dem Bab Doukkala, täglich neunmal nach Sidi Kaouki.

Palast von Sultan Mohammed Ben Abdallah: Tief im Sand versunken ist die Sommerresidenz des Sultans und Festungserbauers Mohammed Ben Abdallah. Ein poetischer Ort, der Jimi Hendrix auf die Idee zum Song "Castles Made of Sand" brachte. Am Strand fünf Kilometer südlich der Stadt.

Gotisches Gewölbe in El Jadida.
Marion Beckhäuser
Das gotische Gewölbe in El Jadida erinnert eher an das Refektorium eines Klosters - tatsächlich aber wurde es als Zisterne genutzt.
El Jadida

Die Marokkaner lieben El Jadida. Im Sommer kommen sie aus dem ganzen Land hierher und feiern Tag für Tag eine riesige Party: Popmusik fegt aus großen DJ-Anlagen über den Strand, Jetskis pflügen durch die Wellen, Jungs in Badeshorts und Mädchen in Schwimmanzügen rennen kreischend in die Brandung. Abends geht die Feier ruhiger weiter: Männer tanzen zu Volksmusik Arm in Arm durch den Sand. Ihre Frauen rücken weiße Plastikstühle bis kurz vors Wasser, plaudern und trinken süßen Tee. Am nächsten Morgen erwacht die Stadt nur langsam. Lediglich ein paar Touristen schlendern schon durchs Zentrum, die Cité Portugaise. Bis ins 18. Jahrhundert hinein hielten die Portugiesen hier einen Stützpunkt, gesichert von einer gut fünf Meter breiten Mauer, auf der man heute einmal um die Stadt herumspazieren kann; links neben dem Tor an der Place Mohammed Ben Abdallah führt eine Treppe hinauf. Hier oben trifft man nur wenige Menschen, einige Abschnitte sind von Unkraut überwuchert - ein vergessener Pfad aus uralter Zeit, mit weitem Blick über Stadt und Strand.

Danach empfiehlt sich ein Gang über die linealgerade Hauptstraße bis zur portugiesischen Zisterne: ein beeindruckendes Gewölbe mit gotischen Kreuzrippen. Warum man hier unter der Erde so aufwendig baute, ist bis heute nicht geklärt. Durch eine runde Öffnung in der Decke fällt Licht hinein, wird vom Wasser auf dem Boden zurückgeworfen und gibt dem Raum einen magischen Schimmer. Anschließend schlendert man durch die ruhigen Gassen, wo islamische Hufeisenbogen die Türen zieren und Kinder den lustigen hellhäutigen Besuchern ein fröhliches "Bonjour" zurufen. Zum Abschluss des Tages lohnt ein Besuch der Kolonialhäuser vor der Altstadt, in denen heute Cafés und Geschäfte liegen. Von den alten Säulen bröckelt die Farbe ab. Tapfer stemmt sich hier die Grandeur der Belle Époque gegen ihren Verfall, während unten am Strand die Musiker aufs Neue zum Tanz aufspielen.

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Café do Mar: Altstadtcafé mit Crêperie und sehr schöner Terrasse im Obergeschoss. Bei einem Pfirsichsaft lässt sich hier wunderbar das Leben auf der Straße beobachten. Cité Portugaise, direkt neben der Porta do Mar.

Lagune von Oualidia in Marokko.
Marion Beckhäuser
Mitten in der Lagune von Oualidia erstreckt sich eine Sandbank. Besucher können mit Booten übersetzen.
Oualidia

Rund 10.000 Menschen leben in Oualidia, außerdem mehrere Millionen Austern. Das ist sehr viel besser als umgekehrt, denn sonst wäre es vorbei mit der sonnigen Schläfrigkeit des Örtchens. 1957 eröffnete hier Marokkos erste Austernfarm, heute holen die Arbeiter auf den Farmen jedes Jahr 200 Tonnen der Muscheln aus dem Wasser. Trubel herrscht hier nur im August, wenn wohlhabende marokkanische Touristen anreisen und dem Ort zu mondänem Glanz verhelfen. Den Rest des Jahres tut sich wenig, ein paar Surfer freuen sich über kräftigen Wind und ordentliche Wellen. Alle anderen finden hier eine wunderbare Ruhe, besonders in der Bucht von Oualidia: Sie wird umschlossen von einem natürlichen Wall aus porösem Gestein, aus dem die Brandung in Jahrtausenden zwei große Öffnungen herausgeschmirgelt hat, jede vielleicht 100 Meter breit - durch sie strömen Ebbe und Flut aus und ein.

In der Bucht liegt eine große Sandbank. Für ein paar Dirham können sich die Badegäste mit Booten durch das glitzernde Wasser der Lagune dorthin bringen lassen. Zurück am Ufer erreicht man nach ein paar Schritten eine Festung aus dem 17. Jahrhundert, gleich daneben liegt der Königspalast, in dem einst Mohammed V., der Großvater des heutigen Herrschers, rauschende Feste feierte. Treppen führen hinauf zu einem Garten mit hellen Säulen, die wohl einmal ein Dach als Sonnenschutz getragen haben - gewiss ein schöner Ort, um abends im Kreise seiner Entourage einen Minztee zu schlürfen. Dahinter liegt die cremefarbene Fassade des Palastes mit ihren hohen Arkaden. Die Anlage steht heute leer, Polizisten achten darauf, dass niemand über den Zaun klettert und herumstreunt. Der Glanz der Monarchie lebt schließlich vom gebührlichen Abstand.

MERIAN.de Tipp

Restaurant L'Hippocampe: Das Lokal in einem verträumten Garten hat die wohl beste Lage am Ort: Der Blick geht weit über die Lagune, von der Terrasse führen gemauerte Stufen direkt zum Strand. Sehr zu empfehlen: der Petersfisch mit Kräutersoße und gedünstetem Gemüse. Zum Restaurant gehört ein Hotel mit mehreren Bungalows. Ecke Rue Palais Royal und Rue 11 Janvier

Larache in Marokko.
Marion beckhäuser
Seit seiner Gründung im 9.Jahrhundert lebt das ruhige Larache vom Fischfang, in Zukunft will man die Strände im Norden für Touristen erschließen.
Larache

Orient-Pop scheppert aus Lautsprechern, unter Sonnenschirmen haben Händler ihre Waren auf dem Marktplatz von Larache ausgebreitet: Schuhe, T-Shirts, Pfannen, Plüschtiere, ein halber Hammel. Man kann sich alles in Ruhe anschauen hier auf dem Socco Chico. Niemand spricht einen an, niemand drängt einem etwas auf, die 100.000-Einwohner- Stadt im Norden Marokkos ist ein wunderbar zurückhaltender Ort. Auch die Hauptsehenswürdigkeit hat man hier ganz für sich: das Grab des französischen Schriftstellers Jean Genet. Am Tor des alten spanischen Friedhofs muss man länger klingeln, bis die Wärterin aus dem Haus kommt und aufschließt. Durch kniehohes Gras läuft man übers Gräberfeld, das auf einer Klippe vor dem glitzernden Ozean liegt. Die Kinder der Wärterin folgen tuschelnd in taktvollem Abstand, bis man Genets schlichtes Grab erreicht.
Und danach? Geht man am besten zum Hafen, lässt sich in einem meist voll besetzten Ruderboot über die Mündung des Loukkos bringen und trinkt am anderen Ufer einen Tee am langen, stillen Strand.

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Place de la Libération: Unter Arkaden liegen mehrere schöne Cafés, von denen aus man dem Treiben auf dem Platz zuschauen kann. Am Ende der Hauptstraße Av. Mohammed V.

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Autor
Burkhard Maria Zimmermann und Oliver Fischer